Die Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen nach Marshall

Nach dem wir in diesem Posting das Marshall Modell verstanden hatten, geht es in diesem darum das sogenannte “Marshall Protokoll” (ein “Protocol im Englischen Kontext ist eine Behandlungsmethode, also keine Notizen oder ähnliches).

Die Behandlung hat folgende Ziele:

  1. Den “Teufelkreis” der zusätzlichen 1,25D Produktion in den Makrophagen zu stoppen
  2. Die Wiederaktivierung des VDR Rezeptors damit der Körper selbst sich gegen die L-Form Bakterien wehren kann
  3. Die negativen Auswirkungen der in 1-2 erzeugten Immunreaktion zu mildern (sogennante Herxheimer Reaktion)

Doch bevor ich auf die Details des Marshall Protokolls eingehe, hier eine deutliche Warnung:

Das Marshall Protokoll ist von der FDA (Food & Drugs Administration) in USA nicht zugelassen. Es befindet sich im Versuchsstadium. Patienten die diesen Behandlungsmethoden folgen tun das unter ärztlicher Aufssicht eines Arztes ihres Vertrauens. Es wird hier dringend abgeraten, diese Methode ohne Unterstützung eines Arztes ganz oder teilweise anzuwenden .

Da zusätzliches Vitamin D (25D) die schädliche Produktion von weiterem 1,25D in den Makrophagen fördert, müssen Patienten unter Behandlung des Marshall Protokoll sämtliche externen Quellen von Vitamin D in der Nahrung vermeiden (wohl gemerkt, solange genügend aktive Vitamin D in ihre 1,25D Form vorhanden ist, kann es keinen Vitamin D Mangel geben). Darüberhinaus fand Marshall heraus, dass 25D ab Konzentrationen von 20 ng/ml immunosupprimierend wirkt, d.h. es wirkt der 1,25D Form entgegen und fängt an das  ”gute” Vitamin D (1,25D) vom VDR fernzuhalten, womit das angeborene Immunsystem gebremst wird. Das kann kurzfristig zu einer Linderung der Symptomen führen (wahrscheinlich deswegen wirkt sich die Einnahme von Vitamin D positiv aus), langfristig macht die Krankheit nur noch schlimmer. Es versteht sich von selbst, dass dies einer der meist kontrovers diskussiertesten Punkte der Marshallschen Methode ist, da es komplett entgegengesetzt der allgemein gültige Meinung über Vitamin D ist. Das Problem scheint zu sein, dass man sehr schnell Vitamin D mit 25D gleichsetzt, was falsch ist. Selbstverständlich ist Vitamin D extrem wichtig, aber in ihre 1,25D Form.

Als Medikament setzt Marshall das in Deutschland bekannte Anti-hypertensivum Olmetec (in Englisch unter dem Namen BENICAR bekannt), mit dem Wirkstoff Olmesartan, allerdings in viel höhere Dosis, ein. Details über die Wirkung von Olmetec an den VDR Rezeptor finden sich in dieser Studie.

Olmetec kann ebenfalls an den VDR  ”andocken” und damit in Konkurrenz zu den bakteriell erzeugten Substanzen (Capnine) treten (von Marshall in Molkelulardynamischen Simulationen gezeigt, siehe sein Paper dazu). Damit wird das schädliche Capnine entfernt und den VDR “aktiviert”.

Da die Makrophagen für die krankhafte Produktion von 1,25D Angiotensin II benötigen, wirkt Olmetec diesem Prozess entgegen, da es selbst Angiontensin II blockiert (daher ruht ja seine anti-hyptertensiven Wirkung). Die Eigenschaft von Olmetec (Benicar/Olmesartan) als Agonist zum VDR Rezeptor war nicht bekannt, es steht nicht in den Packungsbeilagen und wurde von Marshall selbst entdeckt. Das Medikament kann viel mehr als nur Blutdruck senken. Die Wirkung ist auch Dosisabhängig, und zwar:

  1. Bei niedriger Dosis: setzt die Angiotensin II Blockade und wirkt als Blutdrucksenker
  2. Bei mittleren Dosen: aktiviert den VDR Rezeptor, Immunsystem wird re-aktiviert. Bei welcher Dose dies genau erfolgt hängt auch davon ab, wieviel konkurrierendes 25D sich am Rezeptor befindet.
  3. Bei hohen Dosen: hat eine schützende Wirkung gegenüber von schädlichen Zytokinen, es wirkt lindernd im Falle der Herxheimer Reaktionen als Folge von 2 (siehe unten). Diese Wirkung kommt u.A. von der Blockierung von TNF-Alpha

Das Einnehmen von Olmetec in Kontext des “Marshall Protokolls” bei hohen Dosen und in regelmässigen Zeitabständen (alle 8 stunden) wird in Marshall Protokoll  “Angiontensin Blockade” genannt. Da Olmetec an den VDR höchstens 6- 7 Stunden “andockt”, muss nach dieser Zeit das Medikament wieder eingenommen werden, daher die Notwendigkeit es häufiger zu nehmen. Vertiefung: Original Posting

Damit ist der menschliche VDR (Vitamin D Rezeptor) wieder aktiv und der Körper gewinnt wieder seine Fähigkeit, selbst Bakterien zu bekämpfen. Bakterien werden getötet und setzen Proteine und Zytokine frei, was die Symptome der Krankheit kurzfristig verstärkt. Es kommt zu einer Jarish-Herxheimer Reaktion.

Diese Reaktion war schon bekannt bei der Behandlung von Patienten mit Antibiotika, z.B. bei Syphillis oder Borreliose.

Das ist eine der Hauptnachteile der Marshallschen  Methode, da je nach Schwere der bakteriellen Infektion diese Reaktion mehr oder weniger stark ausgeprägt auftritt. Hier wirkt Olmetec hoch dosiert mildernd, so dass dies den Patienten zusätzlichen Schutz bietet. Trotzdem sind  die auftretenden Reaktionen ernst zu nehmen und müssen unbedingt mit einem Arzt besprochen werden.

Die bisher erwähnten Schritte werden als die “Phase 1″ des Marschallschen Protokolls genannt. In einer “Phase 2″ kommen niedrig dosierte Antibiotika zum Einsatz (Minocykline), die dem Immunsystem helfen mit der bakteriellen Überlast fertig zu werden.

Die genauen Details von der Phase 2 sind jedoch in Web nicht zugänglich, wohl um zu vermeiden, dass Leser in Selbstversuchen ohne Kontakt zur Forschungsgruppe sich selbst behandeln.

Interessant ist hier die Tatsache, dass Olmetec ein häufig verschriebenes Medikament ist (Anti-Hypertensivum). In der Regel gibt es selten Nebenwirkung. Wird jedoch diese Arznei an Patienten die an Autoimmunerkrankungen leiden verschrieben (möglicherweise wissen die Patienten selbst nicht, dass sie an diese Kranheit leiden), werden bei mittlerer Dosis (z.B. 20 mg/tag) die o.g. Prozesse in Gang gesetzt. Der Patient wird vermutlich über “Nebenwirkungen” klagen, obwohl die Symptome eigentlich eine Folge von Herxheimer Reaktionen sind und von der Krankheit selbst kommen, nicht vom Medikament. Trotzdem ist hier   Vorsicht anzuraten. Da das Marshallsche Model in Deutschland so gut wie unbekannt ist, ist auch diese Tatsache nicht bekannt.

Wenn ein Patient Olmetec einnimmt und starke, unerklärliche Nebenwirkungen auftreten, wäre es angebracht die Vitamin D Werte zu messen (25D/1,25D), es könnte eine TH1-Entzündung vorlegen vor (25D wird knapp am unteren Wert sein, 1,25D wiederum am Anschlag). Bei gesunden Menschen dürfte Olmetec so gut wie keine Nebenwirkungen haben.

Marshall selbst vermutet, dass praktisch alle beobachteten “Nebenwirkungen” von Olmetec von Personen stammen, die TH1-Entzündungen haben, möglicherweise ohne es zu wissen.

Zusammenfassung des Marshall Protokolls:

  1. Vermeidung von externen Vitamin D sowohl in Nahrungsergänzung als in der Nahrung selbst
  2. Aktivation des VDR Rezeptor mit hochdosierten Olmetec (Benicar, Olmersartan, Votum)
  3. Antibiotika Behandlung mit Minocycline (3 Monate)
  4. Antibiotika Behandlung mit “pulsierten” Dosen von Azitrhromycin (oder Clindamycin, 9 Monate)
  5. Niedrige Dosen von den kombinierten o.g. Antibiotika bis zur völligen Genesung

Während der Behandlung ist mit Herxheimer Reaktionen zu rechnen die je nach Schwere der Erkrankung schwächer oder stärker auftreten können. Sie sind unvermeidlich und einer Folge der Krankheit selbst. Sie wird damit “sichtbar”.

Vertiefung: “Cell Wand deficient Bacteria and the MP”

Siehe auch das Video im 6th International Congress on Autoimmunity in Porto, Portugal (Sept 10-14, 2008), dazu gibt es auch ein PDF Transkript. Laut dieser Studie kam es bei 81%  der Teilnehmer zu einer Besserung ihrer Symptome nach 18 - 53 Monaten. Die größte Versuchsgruppe waren Patienten mit Arthritis, Rheumatoidis sowie Hashimoto Thyroiditis, gefolgt von Patienten von Uveitis.

Molekulardynamisches Model von menschlichen VDR mit Olmetec Molekül. Aus dem Marshall Video in der Gene 2008

Molekulardynamisches Model von menschlichen VDR mit Olmetec Molekül. Aus dem Marshall Video in der Gene 2008

Weitere Informationsquellen über das Marshall Protokoll (in Englischer Sprache)

Geschichte des Marshall Protokolls

Flash Video über das Marshall Protokolls: mit Video Aufnahmen von L-Form Bakterien. Hier das Dokument als PDF

Leave a Reply