Autoimmunität und TH17 Zellen

Bis vor einigen Jahren war die Welt der T-Zellen in heiler Ordnung. Es gab TH1 Zellen die auf intrazelluläre Pathogene reagierten und TH2 die auf extrazelluläre Bedrohungen ihren Dienst verrichteten. Siehe dieses Tutorial auf Englisch, oder dieser Artikel auf Deutsch über TH1/Th2 Zellen. Sowie diese Presentation über die T-Zell Differenzierung.

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TH1/2 Zellen sind die “Generäle” in der Schlacht gegen Pathogenen, sie steuern die Truppen ohne selbst ins Gefecht einzugreifen. Das “T-” im Namen dieser für die Abwehr notwendigen Zellen kommt von “Thymus”, da dort die T-Zellen hauptsächlich reifen (neben Knochenmarkt und Darm). Nach dem Kontakt mit einem Erreger bestimmt das Zytokin Profil die Richtung in die sich die zunächst “Naiven” T-Zellen entwickeln werden. Wird z.B. Interferon Gamma generiert, differenzieren sich Naive T-Zellen in Richtung Th1. Und Interferon Gamma wird z.B. beim Kontakt eines Erreger mit einem der hochdifferenzierten “Pattern Recognition” Rezeptoren beim Kontakt mit einem interazellulären Erreger erzeugt. Siehe auch das Posting dazu. Interferon Gamma wiederum wird die Produktion von 1,25D aus 25D ankurbeln, was letzlich zu der Produktion von körpereigenen Bakteriziden führt mit dem Ziel, den Fremdkörper zu töten, wie im Posting über die Toll-Like Rezeptoren erwähnt wurde. So reagiert das angeborene Immunsystem auf eine Bedrohung.

Doch da kam ein neuer Spieler hinzu: die TH17 Zellen die sich schlecht in alten Schema TH1/TH2 einordnen liessen. Man hatte sie z.B. in der synovial Flüssigkeit von Patienten mit Arthritis Rheumatoider gefunden. Ein sehr guter Artikel auf Deutsch von Prof. Kamradt berichtet darüber. Mehrere Forschungsarbeiten haben TH17 Zellen im Zusammenhang mit humaner Autoimmunität in Verbindung gebracht.

“Other studies on different autoimmune diseases such as systemic lupus erythematosus (48), psoriasis (36,49,50), multiple sclerosis (51,52), systemic sclerosis (53), bowel inflammatory disease (54), ankylosing spondylitis (55), and juvenile idiopathic arthritis (56) have demonstrated the presence of high levels of IL-17 and other cytokines related to its pathway in serum and tissues.”

Siehe  Mesquita et al (“Autoimmune Disease in the Th17 Era“).  Dies erklärt, warum Autoimmunerkankungen sich schlecht nur mit TH1 oder mit TH2 Immunantworten beschreiben liessen.

Allerdings blieb die Frage übrig: was löst nun die TH17 Immunreaktion aus ?  Eine sehr gute Erklärung liefert die Arbeit von Torchinsky et al von März 2009 “Innate immune recognition of infected apoptotic cells directs TH17 cell differentiation” Die Arbeiten brachten Überraschendes zu Tage:  Die zur Bildung von TH17 Zellen charakteristischen Zytokinen wurde bei der Phagozytose von infizierten Zellen erzeugt:

“Our results demonstrate that infected apoptotic cells are a critical component of the innate immune signals instructing TH17 differentiation, and point to pathogens

Ein klarer Hinweis also, dass das fehlende Puzzleteil bei den üblichen Verdächtigen lag, nämlich bei Erreger. Infizierte Zellen werden also erkannt, von dendritischen Immunzellen attackiert, dabei entstehen die notwendigen Bedingungen um die für Autoimmunität typischen TH17 Zellen zu erzeugen.

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