Ernährung bei Autoimmun-Erkrankungen
Eine gesunde Ernährung kann sich positiv auf den Verlauf von Autoimmun-Erkrankungen auswirken. Bei einigen Erkrankungen wie Crohn gibt es sogar spezielle Diäeten die Erfolg versprechen.
Marshall selbst empfiehlt Low Carb Diäten, d.h. eine Diät die wenig Kohlenhydrate enthält. Es sind auch Fälle von Patienten bekannt, die sehr gut auf diese Art von Diäten reagiert. Die Krankheit wird zwar nicht geheilt, jedoch deren Auswirkungen gemildert.
Es gibt auch andere Autoren, die die Vermutung geäussert haben, die wahren “Killer” wären nicht Fette (wie uns Jahrzehntelang erzählt wurde), sondern Stärke, Zucker und Kohlenhydraten. Zuviele Kohlenhydrate, besonders wenn sie Komplex sind, führen zu einer zu hohen Anstieg von Glucose in Blut, was wiederum einer erhöhten Insulin Antwort benötigt.
Es ist empirisch bekannt, dass Low-Carb Diäten sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar erforscht, es gibt jedoch einige interessante Hinweise. Möglicherweise ist es nicht so, dass Low-Carb Diäten das Immunsystem stärken, sondern das Diäten reich an Kohlenhydraten das Immunsystem schwächen. D.h. bei Low-Carb Ernährung funktioniert das Immunsystem, so wie es sollte.
Im Jahre 1973 gab es eine Studie die den Einfluss von Zucker auf die neutrophillen Graunolozyen, die etwa 50-70% der weissen Blutkörperchen ausmachen. Sie bestimmten die “Fressaktivität” der genannten Zellen in Abhängigkeit von Zucker, Glucose, Fructose und Honig. Sie fanden heraus, dass die Aktivität der Fresszellen bis zu 50 % zurückging und sie brauchten bis 5 Stunden um wieder auf normale Werte zu kommen. (Studie: Sanchez A, et al. Role of sugars in human neutrophilic phagocytosis. Am J Clin Nutr 1973; 26: 1180-84 ). Details können (in Englischer Sprache) in der denkwürdigen Seite “Second Opinion” gelesen werden. Zucker und hohe Glucose Werte sind anscheinend die übeltäter, die das Immunsystem schwächen. Und Kohlenhydratereiche Diäten erhöhen bekanntlich den Zuckerspiegel in Blut. Und der Glaube, Fructose sei gesünder ist ein noch grösseres Irrtum (Wer gut Englisch versteht, dem sei das Video “Sugar: the Bitter Rruth” von Dr. Robert Lustig aus der University of California wärmsten empfohlen)
Wir wurden schon als Kinder gewarnt, dass Zucker ungesund ist, und unsere Eltern hatten Recht!
Die negativen Auswirkungen von zu hohen Blutzucker
Nach Meinung von australischen Wissenschafltler ist es sogar noch schlimmer, der Körper “erinnert” sich an einen “Zuckerstoss” für nicht weniger als zwei Wochen.
Siehe auch das posting “The Sugar Hypothese” von Dr. Eades, wo eine sehr interessante Studie die sich über 33 Jahren erstreckte. Hohes Blutzucker scheint viel gefährlicher für Herzkreislauferkrankungen zu sein als hohe Blutfettwerte. Mittlerweile ist es aus neuesten Studien bekannt, dass Langzeitzucker (Hba1c) Herzkreislauferkrankungen voraussagt, sowie insgesamt eine höhere Mortalität und zwar nicht nur für Patienten mit Diabetes. Nach einer britischen Studie aus 2004 korrelierte das Langzeitblutzucker Hba1C mit Herzkreislauferkrankungen sowie mit einer erhöhten Mortalität.
Glucose fördert das Wachstum von Krebszellen, die wiederum sich ausschliesslich davon ernähren (ist seit 1926, Otto Warburg, Nobelpreis)bekannt. Weniger Glucose wiederum fördert das Wachstum von normalen Zellen während Zellen in Vorkrebsstadium gehemmt werden. Das erklärt zum Teil, warum Krebs bei Natuvölkern (Massai, Inuits) , die sich hauptsächlich aus Fleisch ernähren, Krebs so gut wie unbekannt war. Erst nach dem Kontakt mit der “Zivilisation” litten sie unter typische westliche Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen. Als Albert Schweizer zum ersten Mal in Afrika war fiel ihm auf, dass die einheimische Bevölkerung kaum Krebsfälle kannten.
Siehe auch “Warum eine kohlenhydratarme Ernährung bei Krebs?” sowie das neueste Buch von Johannes Coy “Die neue Anti-Krebs Ernährung”
Low-Carb Diäten und Autoimunerkrankungen
Es sind Fälle von Patienten bekannt (Bechterew), die ihre Krankheit alleine mit streng Low-Carb Ernährung in Griff halten können (z.B. hier) . Es sind mittlerweile für einige Erkrankungen (z.B. Celiac, Colitis Ulcerosa), spezielle Diäten entwickelt worden. Beispiel hierfür ist die “SCD-Diät” (Spezielle Kohlenhydrate Diät). Die Diät würde speziell für Kinder mit Zöliakie entwickelt. Der übermässige Konsum von Kohlenhydrate scheint sich in der Tat negativ auf Autoimmunerkrankungen zu wirken, siehe Patientenberichte in einschlägigen Foren dazu.
Wenn Autoimmun Erkrankungen tatäschlich bakteriellen Ursprung haben, wie Marshall vermutet, dann sind hohe Glucose Werte in Blut förderlich für bakteriell-bedingte Aktivität, z.B. können einige Bakteriensorte (Borreliea, Tripanoma) Zucker direkt verwerten, was sich positiv für deren Vermehrung in Körper auswirkt. Berücksichtigt man zusätzlich, dass das Immunsystem von Zucker geschwächt wird, versteht man warum diese Konstellation besonders gefährlich werden kann.
Eine andere Erklärung für die Erfolge der Low-Carb Diäten beruht auf die Evolution. Der Übermass an komplexe Kohlenhydrate, Stärke und Zucker ist eine Folge der Agrargesellschaft. Sie war wiederum notwendig, um eine immer grössere Bevölkerungsanzahl effektiv zu ernähren. Der Stoffwechsel des Homo Sapiens war jedoch nicht optimal auf diese Ernährung optimiert. Bis auf das Neolithikum waren unsere Vorfahren Jäger uns Sammler. Ihre Ernährung enthielt vermutlich mehr Früchte, Pilze, Nüsse, Blätterpflanzen, Fett, Eiweiss und vor allem wenig Zucker. Interessant ist auch die Tatsache, dass die “light” Bewegung (also immer mehr “light”, Fett reduzierte Produkte) keineswegs zu einer generellen Gewichtsabnahme geführt hat, ganz im Gegenteil.
Ein Zeitraum von etwa 10.000 Jahren dürfte für das menschliche Genom sehr kurz sein, um darauf optimiert zu sein. Wenn man heute ein Supermarkt betrifft, bestehen ca 70% der dort ausgestellten Waren aus komplexen Kohlenhydraten, Zucker, Syrup oder ähnliches. Von Konservierungsstoffen und industriell hergestellten Lebensmittel wie Margarine, gehärteten Fett und Sonstiges natürlich abgesehen. Insofern ist es kein Wunder, dass die sogenannten “Zivilisationskrankheiten” wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzkreislaufserkrankungen zunehmen. Folglich, eine dem natürlichen Stoffwechsel besser angepasste Ernährung dürfte sich positiv auswirken. Gegner der Low-Carb Diäten argumentieren hingegen, zu viel Eiweiss führt zu Übersäuerung, was wiederum schädlich ist.
Der “Vater” aller Low-Carb Diäten in 20ten Jahrhundert ist Atkins. Er machte in den 70er mit seiner für damaligen Verhältnissen unerhöhrte Behauptung, es ist nicht das Fett was Krank macht, sondern die Kohlenhydrate. Die Diät ist bis heute noch umstritten, hat aber noch viele Anhänger die damit sehr gut fahren. Die Kohlenhydratknappheit zwingt dem Körper zunehmend Ketosekörper für Energiegewinnung herzustellen. Die Atkinsdiät besteht aus vier Phasen, die sich hauptsächlich in der Menge der zugeführten Kohlenhydrate unterscheiden.
Interessanterweise ist die Idee der Low-Carb diäten eigentlich nicht neu. Es gab in 19ten Jahrhundert den damals bekannten Fall von William Banting (1797-1878), der seine Fettleibigkeit endlich in Griff bekam, als eine strikte Kohlenhydratearme Diät durchführte.
In Deutschland erfreut sich die “Logi-Methode” wachsende Beliebheit. Logi steht für “Low Glycemic and Insulemic ” Diät. Also ausgewählten Lebensmittel mit niedrigen “Glycemic Index” (ein Mass für die Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs in Blut), Zucker und Stärke reduziert. Es stellt praktisch die Deutsche Ernährungspyramide auf dem Kopf. Ganz oben stehen Fleisch und ausgewählte, möglichst Ballaststoffreichen Gemüsesorten und ganz unten. Die LOGI Methode wurde von dem deutschen Ernährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm entwickelt und ist eher als lebenslange Ernährungsmethode gedacht, nicht als kurzfristige Diät.
Das Buch “Leben ohne Brot” von Wolfgang Lutz bietet eine gute Einführung in die Kohlenhydrat arme Ernährung.
Bei Autoimmunerkrankungen kommt noch erschwerend hinzu, dass sie zu nitrosativer Stress führen. Und hier wirkt sich eine Kohlenhydratreiche Nahrung kontraproduktiv. Dr. Kuklinski : “Das chronische Energiedefizit bei nitrosativem Stress wird durch eine Kohlenhydratzufuhr verstärkt. Betroffene merken dies an extremer Müdigkeit besonders nach reichlicheren Mahlzeiten” Aus “Die praxisrelevanz von nitrosativen Stress“, siehe auch ergänzend dieses Posting
Weitere Lebensmittel die mit Vorsicht zu geniessen sind:
- Kaffee: nicht wegen Coffein, sondern weil es es Chlorogensäure enthält. Marshall zeigte, dass diese Substanz immunomodulierend ist und auf das Vitamin D Rezeptor wirkt. Auch koffeinfreier Kaffee enthält ebenfalls Chlorogensäure. Ein oder Zwei Tassen pro Woche sind jedoch unbedenklich.
- Sojaprodukte: enthalten Genistein , die ebenfalls auf nukleare Rezeptoren wie der VDR und PPARs. Siehe Marshall über Chlorogensäure und Genistein. Siehe auch Barry Groves kritischer Artikel über Soja.
Sowie Medikamente/Nahrungsergänzungs wie:
- Statine: wirken ebenfalls auf nukleare Rezeptoren, blockiern den nuclear factor kappa B (NF-kB) und wirken damit auf das Immunsystem. Sie werden sowieso viel zu oft verschrieben. Das Medikament war ursprünglich für Herzkranke gedacht, nicht als Prävention. Siehe auch die Artikel von Dr. Eades darüber (Englisch), sowie Marshall.
- Vitamin D: ist übrigens kein “Vitamin”, da der Körper sie selbst erzeugen kann. Sie ist eine sehr starke biochemische Substanz die eng gekoppelt mit dem Immunsystem ist. Sie entfaltet ihre Wirkung über den Vitamin D Rezeptor (VDR) und ist damit verantwortlich für eine Vielzahl von Prozessen in Körper. Die Vorstellung, die positive Wirkung liesse sich durch externe Einnahme von Vitamin D beliebig einstellen könnte sich als falsch erweisen. Vitamin D ist keine Frage der Nahrung. Sonne in Maßen ist gesund, allerdings sind viele Autoimmunkranke sonnenempfindlich (Vermutlich aufgrund ihren hohen 1,25D Werte). Siehe detailliertes Posting über Vitamin D. Wenn aber Vitamin D unbedingt gewünscht wird, dann nicht zu niedrig dosiert, damit der immunosuppresive Effekt sich möglichst schnell einstellt (25D grösser als 25 ng/ml). Calcium, PTH und 1,25D sollten regelmässig kontrolliert werden.
- Beta-Lactam Antibiotika, wie Penicillin: diese Art von Antibiotika fördert sogar die Bildung von L-Form Bakterien und ist damit kontraproduktiv. Siehe diese Veröffentlichung. Es wurde sogar die Vermutung geäussert, die übermässige Nutzung dieses Antibiotika ist z.T für die Zunahme von Autoimmunerkrankungen verantwortlich.
- Johanniskraut: Enthält Hyperforin, was mit dem nuclearen receptor PXR als Agonist wechselwirkt und damit Auswirkung auf das Immunsystem haben kann (indirekt, über den Vitamin D Stoffwechsel).
- Echinacea und andere Substanzen die das Immunsystem ankurbeln. Sind zu vermeiden, da sie eventuell Schübe auslösen können.
Literatur zur Vertiefung
auf Deutsch:
Logi Methode: glücklich und Schlank
auf Englisch:
Breaking the Vicious Circle (SCD Diet)
Nützliche Internet Links über Low Carb Ernährung
http://www.second-opinions.co.uk/latest_articles.html (in Englisch) sowie auf Deutsch
Sehr interessanter Artikel.Die Ernährung überhaupt ist sehr wichtig für die Gesundheit.Danke für die Infos.
Deine Site ist wirklich klasse.
Ein deutsches Forum wäre sicherlich nützlich um auch hier ein wenig ein Austausch zu starten
Hi Emtec,
Danke für deine Anmerkung (;-)
Ja, da wurde ich des öfters gefragt. Ich würde sagen wer interesse hat soll sich hier per kommentar melden, wenn ich ein Forum einrichten sollte dann lade ich Euch dann ein. viele Grüße Alex
Auch von mir nochmal ein großes Kompliment für das zusammentragen der ganzen Informationen. Hab sämtliche Beiträge bestimmt schon 3 mal gelesen. Hat mir gut geholfen das Ganze zu verstehen.
Auch ich wäre an einem Forum sehr interessiert.
guten abend emtec:
ich möchte mich für deine infos hier bedanken, sie sind sehr interessant sowie ganz gewiss hilfreich.
PS: ich würde mich auch sehr freuen, wenn es ein forum zum austauschen in nächster zeit geben würde.
viele gute gedanken weiterhin.
LG petra
Hallo Petra,
Danke für deine Anmerkungen. Ich bin allerdings Alex, nicht emtec. Ich kenne ihn aus anderen Foren, aber wir sind zwei unterschiedlichen Personen (;-)
Mit dem Forum werde ich mich beschäftigen, sobald ich eine Minute Zeit habe. Scheint in der Tat Interesse zu geben.
LG
Alex
Guter Artikel! Es ist wichtig, daß mehr Information zu dem Thema verfügbar gemacht wird, besonders für die Leute, die am meisten davon profitieren könnten…
Meine Frau leidet seit 4 Jahren an Morbus Crohn und erst vor ein paar Monaten ist ihr das Buch “Breaking the vicious cycle” (oben in den Links erwähnt, sehr gut!) in die Hände gefallen.
Seitdem versucht sie es mit der darin beschriebene “Special Carbohydrate Diet” und dokumentiert ihre Erfolge und Erfahrungen hier:
http://www.schlussmitcrohn.de
Über Unterstützung und Tipps freut sie sich immer!
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