Forschung: Blutdruckmittel gegen Multiple Sklerose?

Leser dieses Forums sind wahrscheinlich über die immunomdulatorischen Wirkungen von einigen Blutdruckmittel, wie z.B. Olmetec (Olmesartan, Angiotensin II Blocker) wohl gut informiert. Siehe z.B. das Posting über den Marshall Protokoll

Mich hat schon lange die Frage beschäftigt, warum die Grundlagenforschung diese Wirkung nicht längst entdeckt hat. Das scheint sich jetzt glücklicherweise zu ändern, Dank den Arbeiten der Abteilung für Neuroonkologie am  Universitätsklinikum Heidelberg (Leiter der Forschungsgruppe  Neuroimmunologie am Deutschen Krebsforschungszentrum) hat man erste experimentelle Versuche am Tieren durchgeführt mit sehr erfreulichen und überraschenden Erkenntnisse bei der Multiple Sklerose:

“Sie behandelten dann Mäuse, die an einer der MS ähnlichen entzündlichen Autoimmunerkrankung desNervensystems litten, mit ACE-Hemmern und AT1R-Blockern. Die Ergebnisse waren frappierend: Die Medikamente unterdrückten spezifische Immunbotenstoffe, die die Entzündung entscheidend vorantreiben. Außerdem sorgten sie für die vermehrte Produktion von Immunzellen, die bereits bestehende entzündliche Nervengewebszerstörungen und die dadurch verursachten Lähmungen rückgängig machten”

“Der Einsatz dieser Blutdruckmittel ist eine attraktive Strategie für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Die Medikamente werden bereits millionenfach am Menschen angewendet, sind kostengünstig und haben wenige Nebenwirkungen”, erklärt Professor Lawrence Steinman, Partner der Heidelberger Wissenschaftler an der Stanford University”

Es ist ermutigend zu sehen, wie die Ergebnisse der “in Silico” Forschung die auf Computersimulationen basiert ähnliches zu Tage bringt wie die klassische klinische Forschung, die zunächst an Tieren experimentiert und dann – bei positiven Ergebnissen- am Menschen.

Die Originalarbeit von der genannten Heidelberg Gruppe ist:

Blocking angiotensin converting enzyme induces potent regulatory T cells and modulates TH1- and TH17-mediated autoimmunity. Michael Platten, Sawsan Youssef, Eun-Mi Hur, Peggy P Ho, May H. Han, Tobias Lanz, Lori K. Phillips, Matthew J Goldstein, Roopa Bhat, Cedric S. Raine, Raymond A Sobel, Lawrence Steinman, PNAS”

Zur TH17 Autoimmunität siehe auch das Posting in diesem Blog.

Die klinische Forschung ist hier wohl an den Anfängen,  aber man ist hier offensichtlich auf einen sehr guten Weg, endlich Heilungschancen für eine Vielzahl von Erkankungen, nicht nur MS, zu finden.  In Übrigen sind Sartane auch bei der Krebsforschung in Einsatz, man vermutet schon seit langem, dass die angeborene Immunität eine Schlüsselrolle bei Krebs spielt. Könnte man das angeborene Immunsystem wieder vollständig funktionsfähig bekommen, wäre dies auch ein Schritt Richtung Krebsbekämpfung. Und Angiontensin II Blocker können das, wie man aus den genannten Arbeiten von Marshall  sehen kann, siehe auch “The VDR and Metastasizing Carcinoma” Es bleibt spannend!


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