Antibiosen: das Wheldon/Stratton Protokoll in Vergleich mit Marshall

David Wheldon, britischer Mediziner, Forscher und Schriftsteller,  ist offensichtlich mit einer vielzahl von Talenten gesegnet. Literarisch begabt, schrieb Gedichte  und Romane. Er studierte Medizin, Pathologie sowie Microbiologie in England.   Ein Schicksaalschlag brachte ihn dazu sich näher mit intrazellulären Erreger zu befassen sowie mit ihren möglichen Behandlung: seine Frau erkrankte 2003 an Multiple-Sklerose.  Die Mediziner konnten ihr nicht helfen, sie möge warten, bis die Krankheit langsam fortschreite. Dies wollte Wheldon nicht akzeptieren und befasste sich eingehend und intensiv mit der Erkrankung.

Nach einigen Recherchen in Internet wurde Wheldon sehr schnell fündig und lernte, dass einige Forscher – hauptsächlich aus Vanderbilt, USA –   die Ursache von der Multiple-Sklerose Erkrankung in Verbindung mit einer möglichen intrazellulären Infektion von Chlamydien gesehen hatten. Er entwickelte eigens für seine Frau eine Antibiose Behandlung basierend auf gepulsten Antibiotika.  Dies zeigte Wirkung: zwar verursachte die Antibiose heftige Herxheimer-Reaktionen (die wiederum bekannt sind aus erfolgreichen anti-bakteriellen Therapien)  ihr Zustand besserte sich merklich und die Krankheit entwickeltet sich soweit zurück, dass sie wieder laufen  und ihre künstlerische Tätigkeit nachgehen konnte.   Seine Behandlungsmethode ist bekannt unter dem “Wheldon Protokoll” oder in seiner modifizierten Form unter “Wheldon/Stratton” Protokoll. Charles Stratton stammt aus der erwähnten Universität von Vanderbilt in Nashville, USA.

Wie auch Marshall entdeckte Wheldon, dass  andere Krankheiten (viele davon “Autoimmun”)  ähnliche Symptome hatten, folglich könnten sie ebenfalls durch Chlamydien verursacht werden.  Zwar ist Wheldon hauptsächlich auf Chlamydien fokussiert, er untersuchte aber die mögliche Wechselwirkung mit anderen Pathogenen, wie z.B. das Epstein-Blarr Virus. Eine Vorstellung, die von Marshall weitgehend erweitert wurde.

Das Wheldon Protokoll hat einige interessante Parallelen zum “Marshall Protokoll” was natürlich zu etlichen Diskussionen in deren Foren geführt hat. Das vorliegende Posting hat zum Ziel, beide Antibiosen zu vergleichen.

Sowohl Wheldon als auch Marshall entwickelten ihre jeweiligen Behandlungsmethoden aus einer sehr persönlichen Situation heraus. Beide identifizierten intrazellulären Erreger als Ursache sowie Antibiosen als Behandlungsmethode. Schliesslich waren beide  damit erfolgreich, obwohl die “Standard Medizin” ihre Behandlungsmethoden bis heute wenig beachtet.

1) Die Erreger

Wheldon konzentriert sich hauptsächlich auf intrazellulären Chlamydien Pneumoniae. Er betrachtet auch unterschiedliche Formen, die das Bakterium annehmen kann (Pleomorphie). Der Wissenschaftler benennt zwar die L-Form nicht explizit, nennt jedoch eine inaktive, langsam wachsende Form: die “Cryptic Form”. Ich gehe davon aus, dass dies die L-Form ist (siehe Posting dazu). Wheldon denkt also offensichtlich, dass er nur mit einem Erreger zu tun hat, wenn er auch die kombinierte Wirkung von anderen Pathogenen in seinen Gedanken einschliesst.

Marshall hingegen postuliert das “Ende der Kochpostulaten” und verabschiedet sich damit endgültig von der Vorstellung, es gäbe nur einen Erreger (der noch dazu  in Labor gezüchtet werden sollte) als Verursacher der jeweiligen Autoimmun-Erkrankung. Er geht davon aus, dass es eine ungeheure Kombination von intrazellulären Erreger gibt, das sogenannte “Metagenomic Microbiota“, die sich langsam im Laufe eines Lebens kumulieren und das Immunsystem almählich abschalten. Aus der Kombinatorik ergibt sich das jeweilge Krankheitsbild. Das erklärt die Vielzahl von sogenannten co-Morbiditäten, d.h. wer eine Autoimmun-Erkrankung hat, leidet möglicherweise ebenfalls an eine andere.

2) Zu behandelnden Erkrankungen

Die Seite pnhelp.org listet alle Erkrankungen, die in Verbindung mit Infektionen von Chlamydien Pulmoniae gebracht werden, bzw die auf die Behandlung mit dem Wheldon /Stratton Protokoll angesprochen haben (die Liste enthält die englischen Namen der Erkrankungen)

Wheldon/Stratton: Multiple Sclerosis, Rheumatoid Arthritis, Inflamatory Bowel Disease, Interstitial Cystitis, Fibromyalgia, Chronic Fatigue Syndrom, Thyroidosis, Hypertension, Asthma, peripheral Neuropathy, Oesophagitis, Sinusitis, Arthritis, Scleroderma, Diabetes Mellitus, Sjogren´s, Sarcoidosis, Irritable Bowel Syndrome, Laryngitis, Rosacea

Marshall Protokoll: ALS, Ankylosing Spondylitis (“Bechterew”), Aspergers, Barret´s esophagus, Bipolar disorder, Candidiasis, Celiac, Chronic Fatigue Syndrom, Lyme Borreliosis, Chrohns, Diabetes, Dementia, Depression, Fibromyalgia, Gastroesophageal reflux, Hashimoto Thyroiditis, Irritable Bowel Syndrome, Interstitial Cystitis, Inflammatory Bowel Syndrome, Lupus, Multiple Sclerosis, Obsessive Compulsive Disorder, Osteoarthritis, Parkinson, Psoriasis, Rheumatoid Arthritis, Sarcoidosis, Scleroderma, Sjogren´s, Colitis Ulcerosa, Uveitits.

Wie man sieht, ist die Liste der potentiell zu behandelnden Erkrankungen zwar bei Marshalls etwas länger, aber insgesamt gibt eine erstaunliche Übereinstimmung mit der vergleichbare Liste aus dem Wheldon /Stratton protokoll.

3) Die Diagnostik

Wheldon/ Straton konzentrieren ihre Diagnostik hauptsächlich auf Antikörper und PCR Tests, wobei sie gleichzeitig auf die Ungenauigkeit dieser Methode eingehen. Es gibt Infektionen ohne Antikörper-Produktion, selbst wenn sie positiv sind müssen sie nicht genau auf Chlamydien reagieren und umgekehrt, wenn sie die Abwesenheit von Chlamydien zeigen bedeutet dies längst nicht, dass es keine gibt.  Die Diagnostik kann auch um LTT Tests erweitert werden (Lymphozytentransformationstest) um die leidigen Problemen mit reinen Antikörper Tests. Kurz zusammengefasst: die Diagnostik basiert auf  Reaktionen des adaptiven Immunsystem.

Marshall hingegen weiss, dass Antikörpertests extrem ungenau sind und legt daher den Schwerpunkt auf den Nachweis eines dis-regulierten Vitamin D Stoffwechsels sowie eine “Therapeutische Probe”, wobei das Marshall-Protokoll einige Wochen durchgeführt wird. Das Auftreten von Herxheimer-Reaktionen als Folge von Bakterientod zeigt indirekt, dass Bakterien vorhanden waren.

Die Disregulierung des Vitamin D Stoffwechsels wird nachgewiesen durch die Vitamin D Metaboliten 25D und 1,25D. Sie auch Posting dazu. Persistente intrazelullären Infektionen verusachen niedrige 25D- sowie dazugehörigen hohe 1,25D Werte.  Kurz zusammengefasst: die Diagnostik basiert auf Reaktionen von angeborenen Immunsystem.

4) Die Rolle von Vitamin D

Hier liegen einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Behandlungsmethoden.  Wheldon/Stratton folgt in Prinzip die allgemeine Empfehlungen über Vitamin D Supplementierung und geht auf die Produktion von Antimikrobiellen Substanzen ein (LL-37) , allerdings soll die Einnahme von Vitamin D langsam und kontrolliert erfolgen, wohl um heftige Immunreaktionen zu vermeiden.

Marshall hingegen führt  eine sehr ausführliche Analyse des Vitamin D Stoffwechsels ein und betrachtet auch dessen Störung als eine von den Hauptmerkmale der Infektion mit intrazellulären Erreger. Das Marshall-Protokoll vermeidet jede Form von Vitamin D Supplementierung (sowie übermässiges Sonnenlicht), wobei  die Wiederherstellung  der VDR-Rezeptor Funktionsfähigkeit einen wesentlichen Teil der Behandlung darstellt. Dies wird durch die Medikation Olmesartan (was in Wheldon Protokoll  nicht vorkommt) erreicht. Die mehrmals tägliche Einnahme von Olmesartan ist die Basis des Marshall Protokolls schlechthin.

Das ist ein Aspekt, was in einer oberflächlichen Betrachtung oft übersehen wird: die Wiederherstellung des Vitamin D Stoffwechsels selbst ist  das eigentliche Ziel des Marshall-Protokolls. Es wird jedoch nicht direkt durch Calcitriol als Agonist des VDR Rezeptors, sondern durch einen anderen Rezeptoragonist, nämlich Olmesartan.

5) Die Antibiose Behandlung

Hier liegen wiederum Wheldon/Straton näher am Marshall Ansatz:

  • Beide Methoden benutzen u.a. “pulsierte” Antibiotika. D.h. die Medikamenten werden nicht jeden Tag genommen, sondern in “Pulsen”. Bei Wheldon gibt es pulsierte und auch tägliche Antibiotika. Bei Marshall wird nur jede zweiten Tag Antibiotika eingenommen, einige sogar jede 10 Tagen.
  • Beide Methoden benutzen Azithromycin und Minocycline als Antibiotika (aber nicht auschliesslich)
  • Beide Behandlungsmethoden erzeugen “Herxheimer Reaktionen” als Folge der Tötung von Bakterien
  • Beide Methoden gehen über einen längeren Zeitraum (Jahre)

Die Antibiotika von Wheldon/Straton Protokoll sind:

  • Doxycycline oder Monocyclin
  • Azithromycin oder Roxithromycin
  • Metronidazole oder Tinidazole (Makrolide, gepulst)
  • Rifampin (Stratton Protokoll)

Oft wird Doxycycline statt Monocyclin gewählt wegen der besseren Leberverträglichkeit.  Wie das Marshall Protokoll hat auch das Wheldon Protokoll “Phasen”, die in Jahren eingeteilt sind. Im ersten Jahr werden die Antibiotika täglich eingenommen, ausser das Makrolid, was gepulst wird (d.h. 3 x die Woche). In zweiten Jahr werden die Tetrazykline (Doxy-  oder Monocyclin) gepulst.

Das erwähnte Protokoll kann mit dem sogenannten “Sriram Protokol” oder “Stratton” Protokoll kombiniert werden um eine noch stärkere Anti-Chlamydiale Wirkung zu erzielen, wobei die Leberbelastung stärker wird und engmaschig kontrolliert werden sollte.  Beim Sriram kommt noch  die regelmässige Einnahme von Rifampin sowie eines Pyruvats (Eine Stunde vor der  Antibiotika Einnahme). Bei “Stratton” kommt noch INH zum Einsatz, ein Medikament was gegen Tuberkulose verwendung findet und nach Experimenten von Stratton ebenfalls eine anti-Chlamydiale Wirkung zeigt.

Siehe auch: Dosierung des Wheldon/Stratton Protokoll (in Englischer Sprache)

Während die Antibiotika von Marshall Protokoll sind:

  • Minocycline
  • Azithromycin
  • Clyndamicin

Allerding unterscheided das Marshall Protokoll drei Phasen mit unterschiedlicher Dosierung:

Siehe auch  Marshall Protokoll Phase 1 sowie Marshall Protokoll Phase 2/3 sowie Posting dazu in diesem blog.

Beim Dosierungsvergleich der verwendeten Antibiotika fällt sofort auf, dass die Dosierungsempfehlung bei Wheldon/Stratton wesentlich höher sind als bei Marshall. Das kommt daher, dass beim Marshall-Protokoll die Wirkung der Antibiotika durch den Einsatz von Olmesartan potentiert wird, d.h. die Wirkung der Antibiotika wird dadurch um ein Vielfaches verstärkt.  Dieses Medikament greift direkt beim angeborenen Immunsystem durch (über den Vitamin D Rezeptor) und vernichtet so  die durch bakteriostatischen Antibiotika geschwächten Bakterien.

Beispiel: Minocyclin wird bei Wheldon bis zu 200 mg täglich eingenommen, bei Marshall Phase eins fängt es mit 25 mg  und wird gesteigert bis 100 mg, jeden zweiten Tag. Also insgesamt ein Viertel der entsprechenden Dosis von Wheldon. Bei Wheldon wird  Azithromycin wird in Tabletten von 250 mg täglich genommen, bei Marshall höchstens 125 mg jeden 10. Tag (!). Trotzdem entfaltet es bei Marshall so starke Herxheimer Reaktionen, dass die Einnahme sehr kontrolliert erfolgen soll.

Dafür muss der Patient beim Marshall-Protokoll Olmesartan 40mg jede 6-8 Stunden nehmen um die Angiontensin Blockade aufrecht zu erhalten.

Damit kann z.B. Sarkoidose geheilt werden, was sonst nicht auf Antibiotika anspricht(*). Die Krankheit gilt ansonsten als nicht heilbar.

Alle hier dargestellten Behandlungsmethoden dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, wobei die Suche nach einem Arzt, der diese Methoden kennt und unterstützt oft nicht einfach ist.

6) Webforen/ Websites

Beide Behandlungsmethoden haben ihre jeweiligen Internetseiten wo Patienten über ihre Erfahrung berichten, diskutieren sowie Informationen über die jeweilige Protokolle finden:

Wheldon/ Stratton Protokoll:

http://www.cpnhelp.org/ (Englisch/Deutsch)

http://www.chlamydiapneumoniae.de/ (Deutsch) Die Seite handelt zwar allgemein über Chlamydien Erkrankungen, fokussiert sich vorwiegend auf die Wheldon/Stratton Protokolle

Marshall Protokoll (alle Seiten auf Englisch)

http://www.marshallprotocol.com/

http://www.curemyth1.org/

http://mpkb.org/

7) Kooperationen mit Kliniken/ Universitäten

Das Wheldon / Stratton Protokoll wird hauptsächlich von der Vanderbilt University in Nashville, Texas, USA unterstützt.

Beim Marshall (bzw die Autoimmunity Research Fundation)  exisitiert seit 2009 eine Kooperation mit der West China Hospital der Sichuan University, eine der grössten Klinken der Welt. Die Kooperation hat zum Ziel die Behandlung von Ankylosing Spondylitis (Bechterew) mit der Marshall-Methode.

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(*) Marshall erzählt in seinen Foren, dass er einmal einen Antrag auf öffentliche Mittel für seinen Protokoll stellte. Damals war der Schwerpunkt des Protokolls auf die Behandlung der Sarkoidose, er selbst war ja daran erkrankt. Die Behandlung mit der Marshall-Methode hatte schon bei etlichen Sarkoidose Patienten sehr gute Erfolge erzielt. Der für die Vergabe der Mittel zuständiger Mediziner lehnte seinen Antrag jedoch ab  mit der Begründung: “Ich brauche nicht ihre Methode zu testen, denn sie  funktioniert nicht. Ich habe  auch meine Sarkoidosepatienten Antibiotika gegeben und es hat nicht gewirkt


2 Responses to “Antibiosen: das Wheldon/Stratton Protokoll in Vergleich mit Marshall”

  1. Klasse Berichte !!!
    Endlich jemand der Licht ins Dunkle bringt !!!!

    Beste Grüße an den DVMB :(

  2. Eine super Zusammenfassung/Gegenüberstellung. Was mir jedoch fehlt ist die Erwähnung von Acetylcystein (ACC) welches beil Wheldon/Stratton doch wohl auch eine wichtige Rolle spielen dürfte?