Metagenomics: ein neues Forschungsfeld

Wenn ich jemanden fragen würde, wieviele Zellen in einem Menschen menschlichen Ursprungs sind würden die meistens ohne Zweifel antworten: “alle”, oder “fast alle”. Weit gefehlt. Wussten Sie, dass 90% der Zellen in menschlichen Organismus bakteriellen Ursprung sind ? Also tragen wir in uns mehr bakteriellen DNA als menschliches. Das hat das National Institute for Health (NIH) festgestellt und ist für die Mehrzahl der Forscher neu. Ob das uns zu denken gibt ?

Dabei kennen wir nicht mal alle  kleinen Wesen die mit uns leben. Die werden aber gerade untersucht und ihre DNA sequenziert mit modernsten Techniken aus dem Genom Projekt. Das neue Forschungsfeld heisst “Metagenomics” und besteht darin, bakterielles DNA von ganzen Populationen zu studieren, und zwar dort wo sie mit ihren Wirten leben. Viele Spezies lassen sich nicht getrennt von ihren Wirten studieren oder züchten. Forscher fanden z.B. heraus, dass alleine in der menschlichen Haut  mehr als 182 Bakterienarten leben, davon 8 % von bisher unbekannten Spezies.

Quelle Medicalnewstoday

Das neue Forschungsfeld hat die Ziele:

  • Zu verstehen, wie das bakterielle DNA in uns mit unserer Gesundheit zusammenhängt
  • Tools und Technologien zu entwickeln um dieses Ziel zu erreichen
  • Beschäftigung mit den legalen, ethischen und soziale Folgen der Forschung an Mikrobiales DNA

Informationen dazu gibt es (leider in Englisch) unter Das Human Microbiome Project (HMP)

Und was hat das mit Autoimmunerkrankungen zu tun ? Nun ja, eventuell sind alle unsere Gäste vielleicht nicht so harmlos wie man normalerweise denkt. Oder formulieren wir es anders: manche sind vielleicht harmlos, weniger harmlos hingegen ist die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems dazu.

Ernährung bei Autoimmun-Erkrankungen

Eine gesunde Ernährung kann sich positiv auf den Verlauf von Autoimmun-Erkrankungen auswirken. Bei einigen Erkrankungen wie Crohn gibt es sogar spezielle Diäeten die Erfolg versprechen.

Marshall selbst empfiehlt Low Carb Diäten, d.h. eine Diät die wenig Kohlenhydrate enthält. Es sind auch Fälle von Patienten bekannt, die sehr gut auf diese Art von Diäten reagiert. Die Krankheit wird zwar nicht geheilt, jedoch deren Auswirkungen gemildert.

Es gibt auch andere Autoren, die die Vermutung geäussert haben, die wahren “Killer” wären nicht Fette (wie uns Jahrzehntelang erzählt wurde), sondern Stärke, Zucker und Kohlenhydraten. Zuviele Kohlenhydrate, besonders wenn sie Komplex sind, führen zu einer zu hohen Anstieg von Glucose in Blut, was wiederum einer erhöhten Insulin Antwort benötigt.

Es ist empirisch bekannt, dass Low-Carb Diäten sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar erforscht, es gibt jedoch einige interessante Hinweise.  Möglicherweise ist es nicht so, dass Low-Carb Diäten das Immunsystem stärken, sondern das Diäten reich an Kohlenhydraten das Immunsystem schwächen. D.h. bei Low-Carb Ernährung funktioniert das Immunsystem, so wie es sollte.

Im Jahre 1973 gab es eine Studie die den Einfluss von Zucker auf die neutrophillen Graunolozyen, die etwa 50-70% der weissen Blutkörperchen ausmachen. Sie bestimmten die “Fressaktivität” der genannten Zellen in Abhängigkeit von Zucker, Glucose, Fructose und Honig.  Sie fanden heraus, dass die Aktivität der Fresszellen bis zu 50 % zurückging und sie brauchten bis 5 Stunden um wieder auf normale Werte zu kommen. (Studie: Sanchez A, et al. Role of sugars in human neutrophilic phagocytosis. Am J Clin Nutr 1973; 26: 1180-84 ). Details können (in Englischer Sprache) in der denkwürdigen Seite “Second Opinion” gelesen werden sowie in dieser Veröffentlichung . Mark Sisson hat hier ein gutes Posting (Englisch) darüber geschrieben.

Zucker und hohe Glucose Werte sind anscheinend die übeltäter, die das Immunsystem schwächen. Und Kohlenhydratereiche Diäten erhöhen bekanntlich den Zuckerspiegel in Blut. Und der Glaube, Fructose sei gesünder ist ein noch grösseres Irrtum (Wer gut Englisch versteht, dem sei das  Video “Sugar: the Bitter Rruth” von Dr. Robert Lustig aus der University of California wärmsten empfohlen. Hier die Originalveröffentlichung).   Japan hat bestimmt vieles Gutes hervorgebracht, aber die schlimmste Erfindung aus der Insel war das Fructose Corn Sirup HFCS in den 60er , was mittlerweile in einer Vielzahl von verarbeiteten Lebensmittel steckt. Einige Forscher, wie Dr. Lustig aus der UCSD Universität in California vertreten die Auffassung, dass die Fettleibigkeit Epidemie die USA seit den 70er plagt einfach eine Konsequenz aus jener Erfindung ist, die fast in sämtlichen “Softdrinks” steckt. Schon früher hatte der  Oxford Professor John Yudkin rechtzeitig vor der schädlichen Auswirkungen von Zucker auf das menschliche Organismus gewarnt, leider ohne Erfolg. Sein damaliges Buch, Pure, white and deadly kann man noch in Internet lesesn.

Wir wurden schon als Kinder gewarnt, dass Zucker ungesund ist, und unsere Eltern hatten Recht! Was sie  vermutlich nicht wussten, ist das HFCS  noch viel schlimmer ist als sie dachten.

Die negativen Auswirkungen von zu hohen Blutzucker

Nach Meinung von australischen Wissenschafltler ist es sogar noch schlimmer, der Körper “erinnert” sich an einen “Zuckerstoss” für  nicht weniger als zwei Wochen.

Siehe auch das posting “The Sugar Hypothese” von Dr. Eades, wo eine sehr interessante Studie die sich über 33 Jahren erstreckte. Hohes Blutzucker scheint viel gefährlicher für Herzkreislauferkrankungen zu sein als hohe Blutfettwerte. Mittlerweile ist es aus neuesten Studien bekannt, dass Langzeitzucker (Hba1c) Herzkreislauferkrankungen voraussagt, sowie insgesamt eine höhere Mortalität und zwar nicht nur für Patienten mit Diabetes.  Nach einer britischen Studie aus 2004 korrelierte das Langzeitblutzucker Hba1C mit Herzkreislauferkrankungen sowie mit einer erhöhten Mortalität.

Glucose fördert das Wachstum von Krebszellen, die wiederum sich ausschliesslich davon ernähren (ist seit 1926, Otto Warburg, Nobelpreis)bekannt. Weniger Glucose wiederum fördert das Wachstum von normalen Zellen während Zellen in Vorkrebsstadium gehemmt werden.  Das erklärt zum Teil, warum Krebs  bei Natuvölkern (Massai, Inuits) , die sich hauptsächlich aus Fleisch ernähren, Krebs  so gut wie unbekannt war. Erst nach dem Kontakt mit der “Zivilisation” litten sie unter typische westliche Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen. Als Albert Schweizer zum ersten Mal in Afrika war fiel ihm auf, dass die einheimische Bevölkerung kaum Krebsfälle kannten.

Siehe auch “Warum eine kohlenhydratarme Ernährung bei Krebs?” sowie das neueste Buch von Johannes Coy “Die neue Anti-Krebs Ernährung

Fructose ist eine sehr schlechte Alternative

Fruchtzucker (Fructose) wird oft in verarbeiteten Lebensmittel als Zuckerersatz verwendet. Man vertreibt also den Teufel mit Beelzebub. Denn die Auswirkungen von Fructose auf die Leber sind wesentlich schlimmer als die von Glucose. Die Verstoffwechselung von Fruchtzucker läuft völlig unterschiedliche Biochemische Wege als die von Glucose. Während jeder Zelle in Körper Glucose verarbeiten kann, wird Fruchtzucker nur und ausschliesslich über die Leber abgebaut, wo sie jede Menge gefährliche Metaboliten verursacht, die u.a. entzündungsfördernd sind. Das ist ja das letze, was Autoimmun-Patienten gebrauchen können. Darüberhinaus fördert sie eine Fettleber.

Nach dem Abbau in der Leber findet Fructose ganz schnell den Weg in die Fettzellen, wo sie sich lagert. Glucose hingegen wird als Glykogen gespeichert, wo sie schnell wieder verbrannt werden kann.

In der Natur kommt Fruchtzucker immer mit Ballastoffen (Obst) zusammen. Aber in Säften oder in hochkonzentrierte Formen (wie Glucosesyrup, was hauptsächlich aus künstlich hergestellten Fructose besteht) erreicht sie Konzentrationen die in der Natur kaum vorkommen. Siehe auch diese Blog Posting über die Gefahren von Fructose.

Alkohol ist übrigens nicht anderes ist gegärte Fructose.

Die angeblich so gesunde Getreideprodukte

Es besteht in der Gesellschaft ein weitgehender Konsens, dass Getreideprodukte äusserst gesund sind. Flankiert werden die Empfehlung aus den Ernährungspyramiden aus einer Vielzahl von Ländern die diese These nicht nur untermauern, sondern die Getreide als “die Basis” für eine Ernährung schlechthin stellen. Vertrauenswürdige Ernährungsorganisationen wie die DGE werben seit langem damit.  Wie bereits erwähnt, ist diese Ernährungsart für die Gattung Mensch jedoch recht neu: hätte die Menschheitsgeschichte die Länge eines Fussballfeldes, würde die Getreideernährung erst knapp bei dem letzten Zentimeter  beginnen. Soll der Mensch also erst in den letzen 10.000 Jahren die “ideale” Ernährung gefunden haben und sich ansonsten ungesund ernährt haben? Dann wären wir vermutlich längst ausgestorben.

Der heutiger Übermass an komplexe Kohlenhydrate, Stärke und Zucker ist eine Folge der Agrargesellschaft. Sie war wiederum notwendig, um eine immer grössere Bevölkerungsanzahl effektiv zu ernähren. Der Stoffwechsel des Homo Sapiens war jedoch nicht optimal auf diese Ernährung optimiert. Bis auf das Neolithikum waren unsere Vorfahren Jäger uns Sammler. Ihre Ernährung enthielt vermutlich mehr Früchte, Pilze, Nüsse, Blätterpflanzen, Fett, Eiweiss und vor allem wenig Zucker.

Ein Zeitraum von etwa 10.000 Jahren dürfte in der Tat für das menschliche Genom sehr kurz sein, um darauf optimiert zu sein. Wenn man heute ein Supermarkt betrifft, bestehen ca 70% der dort ausgestellten Waren aus komplexen Kohlenhydraten, Zucker, Syrup oder ähnliches. Von Konservierungsstoffen und  industriell hergestellten Lebensmittel wie Margarine, gehärteten Fett und Sonstiges natürlich abgesehen. Insofern ist es kein Wunder, dass die sogenannten “Zivilisationskrankheiten” wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzkreislaufserkrankungen zunehmen. Folglich, eine dem natürlichen Stoffwechsel besser angepasste Ernährung dürfte sich positiv auswirken.  Gegner der Low-Carb Diäten argumentieren hingegen, zu viel Eiweiss führt zu Übersäuerung, was wiederum schädlich ist.

Mittlerweile setzt sich bei vielen Menschen und Wissenschaftler die Erkenntnis durch, dass Getreide alles andere als gesund ist. Die bekannteste Reaktion auf einige Getreidesorten ist die “Glutenunverträglichkeit”. Das ist zumindest eine bekannte unerwünschte Nebenwirkung, es kommt aber leider noch schlimmer: Getreideprodukte enthalten gesundheitschädliche Lektine sowie Pythin, was die Aufnahme von Mineralstoffen in Darm erschwert. Pythin ist  sozusagen ein “Anti-Nutrient”.

Anhänger von Vollkorn sehen das natürlich vollkommen anders und argumentieren, dass die Schäden die bei Mäusen beobachtet wurde (noch?) nicht auf Menschen übertragen werden können.

Wer sich mit dem Thema beschäftigen will, es gibt ein sehr gutes Buch darüber “Das Getreide, zweischneidiges Schwert der Menschheit“, sowie ein Kommentar dazu.   Die hierzulande bei den Heilpraktiker so beliebte Trennung zwischen “sauren” und “basischen” Lebensmittel klassifiziert Getreideprodukte unter der “sauren” Kategorie. Kein Wunder, denn Getreide ist reich an Omega-6 Säuren, die entzündliche Prozesse fördern. Von denen hat aber der Autoimmun-Patient schon mehr als genug! Eine  auf Getreide basierte Ernährung schiebt also das gesunde Gleichgewicht zwischen Omega 3  (anti-entzündlich) und Omega 6 Säuren in gefährlichen Omega 6 Bereichen. Man vermutet, dass der “Urmensch” eine Verhältnis zwischen Omega 3 und Omega 6 von 1:1 hatte. Bei unserer herkömlicher Ernährung liegt mittlerweile das Verhältnis bei 1:10 bis 1:20 Kein Wunder also, dass entzündliche Erkrankungen auf dem Vormarsch sind. Entzündliche Prozesse spielen auch bei Osteoporose eine grosse Rolle. Es ist also Vorsicht geboten mit den “gesunden” Weizen.

Wer also auf Getreide nicht verzichten kann oder will, sollte zumindest mehr Omega 3 reiche Lebensmittel zu sich nehmen.

Transfette (gehärtete Fette)

Alle Trans-fett Säuren haben einen hohen Gehalt an Omega-6 Säuren und sind entzündungsfördern. Abgesehen davon gibt es genügend Warnzeichen, dass sie Gefahren für die Gesundheit bergen. Z.B in New York und Philadelphia sind sie in Restaurants schlicht und einfach verboten. Viele industriell produzierte Lebensmittel wie Kekse , Frühstücksflocken, Capuccino Pulver, Margarine enthalten Transfette.  Man ist bestimmt gut beraten, Transfette ganz aus der Ernährung zu verbannen.

Low-Carb Diäten und Autoimunerkrankungen

Es sind Fälle von Patienten bekannt (Bechterew), die ihre Krankheit alleine mit streng Low-Carb Ernährung in Griff halten können (z.B. hier) . Es sind mittlerweile für einige Erkrankungen (z.B. Celiac, Colitis Ulcerosa),  spezielle Diäten entwickelt worden. Beispiel hierfür ist die “SCD-Diät” (Spezielle Kohlenhydrate Diät).  Die Diät würde speziell für Kinder mit Zöliakie entwickelt.  Der übermässige Konsum von Kohlenhydrate scheint sich in der Tat negativ auf Autoimmunerkrankungen zu wirken, siehe Patientenberichte in einschlägigen Foren dazu.

Wenn Autoimmun Erkrankungen tatäschlich bakteriellen Ursprung haben, wie Marshall vermutet, dann sind hohe Glucose Werte in Blut förderlich für bakteriell-bedingte Aktivität, z.B. können einige Bakteriensorte (Borreliea, Tripanoma) Zucker direkt verwerten, was sich positiv für deren Vermehrung in Körper auswirkt. Berücksichtigt man zusätzlich, dass das Immunsystem von Zucker geschwächt wird, versteht man warum diese Konstellation besonders gefährlich werden kann. Siehe auch Blog posting von Strunz Blog.

Interessant ist auch die Tatsache, dass die “light” Bewegung (also immer mehr “light”, Fett reduzierte Produkte) keineswegs zu einer generellen Gewichtsabnahme geführt hat, ganz im Gegenteil. Viele Nahrungshersteller fanden keine bessere Idee, als Fett durch Glucosesyrup zu ersetzen. Natürlich klingt “Fettreduziert”  viel besser als “jetzt mit noch mehr Zucker !”

Der “Vater” aller Low-Carb Diäten in 20ten Jahrhundert ist Atkins. Er machte in den 70er mit seiner für damaligen Verhältnissen unerhöhrte Behauptung, es ist nicht das Fett was Krank macht, sondern die Kohlenhydrate. Die Diät ist bis heute noch umstritten, hat aber noch viele Anhänger die damit sehr gut fahren. Die Kohlenhydratknappheit zwingt dem Körper zunehmend Ketosekörper für Energiegewinnung herzustellen. Die Atkinsdiät besteht aus vier Phasen, die sich hauptsächlich in der Menge der zugeführten Kohlenhydrate unterscheiden.

Interessanterweise ist die Idee der Low-Carb diäten eigentlich nicht neu. Es gab in 19ten Jahrhundert den damals bekannten Fall von William Banting (1797-1878), der seine Fettleibigkeit endlich in Griff bekam, als eine strikte Kohlenhydratearme Diät durchführte.

Die Paleo Bewegung in den USA

Vor einigen Jahren stellten sich einige Betroffene die berechtigte Frage, wovon hat sich eigentlich der bereits erwähnten “Jäger und Sammler” ernährt. Anthropologische Ausgrabungen hatten ergeben, dass Knochenfünde von  Menschen vor der “Agrarrevolution” (etwa 10.000 bc) wenige krankhafte  Knochendeformationen sowie Karies aufwiesen als Menschen nach dem Agrarzeitalter, erreichten auch höhere Grosse und lebten auch länger. Die Kindersterblichkeit war geringer.

Experimentelle Einführung der “Paleoernährung” führte bei den erwähnten betroffenen  zu einer besseren Gesundheit und viele konnten sogar Autoimmunerkrankungen wie Colitis Ulcerosa nach dem völligen Verzicht auf Körner- und Weizenprodukte sowie Zucker in allen Formen (bis auf Fructose, aber nur in Verbindung mit Obst, keine Säfte) besiegen.

Robb Wolff ist ein bekannter Vertreter dieser Bewegung, sein Buch “the Paleo Solution” wurde ein Bestseller (ist soweit ich sehen kann in Deutscher Sprache leider nicht erhältlich) . Andere bekannte Vertreter der Paleobewegung sind Mark Sisson sowie Arthur de Vany. Sein Buch gibt es auch auf Deutsch. Bei Robb Wolff kann man auch etliche Beiträge lesen von Autoimmun-Patienten die Besserung durch die Paleodiet erfahren haben.

die Logi Methode

Viele Elementen (aber nicht alle) der Paleodiäten finden sich in der ”Logi-Methode” wieder. Diese Ernährungsempfehlung erfreut sich zu recht eine wachsende Beliebheit. Logi steht für “Low Glycemic and Insulemic ” Diät. Also ausgewählten Lebensmittel mit niedrigen “Glycemic Index” (ein Mass für die Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs in Blut), Zucker und Stärke reduziert. Es stellt praktisch die Deutsche Ernährungspyramide auf dem Kopf. Ganz oben stehen Fleisch und ausgewählte, möglichst Ballaststoffreichen Gemüsesorten und ganz unten. Die LOGI Methode wurde von dem deutschen Ernährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm entwickelt und ist eher als lebenslange Ernährungsmethode gedacht, nicht als kurzfristige Diät.

Das Buch “Leben ohne Brot” von Wolfgang Lutz bietet eine gute Einführung in die Kohlenhydrat arme Ernährung.

Bei Autoimmunerkrankungen kommt noch erschwerend hinzu, dass sie zu nitrosativer Stress führen. Und hier wirkt sich eine Kohlenhydratreiche Nahrung kontraproduktiv.  Dr. Kuklinski : “Das chronische Energiedefizit bei nitrosativem Stress wird durch eine Kohlenhydratzufuhr verstärkt. Betroffene merken dies an extremer Müdigkeit besonders nach reichlicheren Mahlzeiten” Aus “Die praxisrelevanz von nitrosativen Stress“, siehe auch ergänzend dieses Posting

Weitere Lebensmittel die mit Vorsicht zu geniessen  sind:

  • Kaffee: nicht wegen Coffein, sondern weil es es Chlorogensäure enthält. Marshall zeigte, dass diese Substanz immunomodulierend ist und auf das Vitamin D Rezeptor wirkt. Auch koffeinfreier Kaffee enthält ebenfalls Chlorogensäure. Ein oder Zwei Tassen pro Woche sind jedoch  unbedenklich.
  • Sojaprodukte: enthalten Genistein , die ebenfalls auf nukleare Rezeptoren wie der VDR und PPARs. Siehe Marshall über Chlorogensäure und Genistein. Siehe auch Barry Groves kritischer Artikel über Soja.

Sowie Medikamente/Nahrungsergänzungs wie:

  • Statine: wirken ebenfalls auf nukleare Rezeptoren, blockiern  den nuclear factor kappa B (NF-kB) und wirken damit auf das Immunsystem. Sie werden sowieso viel zu oft verschrieben. Das Medikament war ursprünglich für Herzkranke gedacht, nicht als Prävention.   Siehe auch die Artikel von Dr. Eades darüber (Englisch), sowie Marshall.  Möglicherweise beruht die Wirkung der Statine auf Enzündungshemmung und nicht auf das senken von Cholesterin. Siehe “Cooling inflammation blog (Englisch)
  • Vitamin D: ist übrigens kein “Vitamin”, da der Körper sie  selbst erzeugen kann. Sie ist eine sehr starke biochemische Substanz die  eng gekoppelt mit dem Immunsystem ist. Sie entfaltet ihre Wirkung über den Vitamin D Rezeptor (VDR) und ist damit  verantwortlich für eine Vielzahl von Prozessen in Körper. Die Vorstellung, die positive Wirkung liesse sich  durch externe Einnahme von Vitamin D beliebig einstellen könnte sich als falsch erweisen.  Vitamin D ist keine Frage der Nahrung.  Sonne in Maßen ist gesund, allerdings sind viele Autoimmunkranke sonnenempfindlich (Vermutlich aufgrund ihren hohen 1,25D Werte). Siehe detailliertes  Posting über Vitamin D.  Wenn aber Vitamin D unbedingt gewünscht wird, dann nicht zu niedrig dosiert, damit der immunosuppresive Effekt sich möglichst schnell einstellt (25D grösser als 25 ng/ml). Calcium, PTH und 1,25D sollten regelmässig kontrolliert werden.
  • Beta-Lactam Antibiotika, wie Penicillin: diese Art von Antibiotika fördert sogar die Bildung von L-Form Bakterien und ist damit kontraproduktiv. Siehe diese Veröffentlichung. Es wurde sogar die Vermutung geäussert, die übermässige Nutzung dieses Antibiotika ist z.T für die Zunahme von Autoimmunerkrankungen verantwortlich.
  • Johanniskraut: Enthält Hyperforin, was mit dem nuclearen receptor PXR als Agonist wechselwirkt und damit Auswirkung auf das Immunsystem haben kann (indirekt, über den Vitamin D Stoffwechsel).
  • Echinacea und andere Substanzen die das Immunsystem ankurbeln. Sind zu vermeiden, da sie eventuell Schübe auslösen können.

Nahrungsmittel, die sich positiv auf neurodegnerativen Erkrankungen (Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerosis) auswirken. Einige sind durch die Ayurveda Medizin längst bekannt, wie Curcumin (“curry”), siehe die neueste Veröffentlichung “Neuroprotection by spice-derived nutraceuticals, you are what you eat”. Kein Wunder, denn laut Marshall ist Curcumin ein schwacher VDR Agonist, also wirkt sich positiv auf das Vitamin D Stoffwechsel aus.

Literatur zur Vertiefung

auf Deutsch:

Leben ohne Brot

Logi Methode: glücklich und Schlank

auf Englisch:

Protein Power Lifeplan

Protein Power Diet

Breaking the Vicious Circle (SCD Diet)

Good Calories, Bad Calories

Nützliche Internet Links über Low Carb Ernährung

http://www.logi-methode.de/

http://www.ketarier.de/

http://www.ketoforum.de/

http://www.lchf.de/

http://www.second-opinions.co.uk/latest_articles.html (in Englisch) sowie auf Deutsch

Anti-inflammatory Diet

Sowie ein sehr interessantes Werk: The “Perfect Health Diet”.


Autoimmunität und TH17 Zellen

Bis vor einigen Jahren war die Welt der T-Zellen in heiler Ordnung. Es gab TH1 Zellen die auf intrazelluläre Pathogene reagierten und TH2 die auf extrazelluläre Bedrohungen ihren Dienst verrichteten. Siehe dieses Tutorial auf Englisch, oder dieser Artikel auf Deutsch über TH1/Th2 Zellen. Sowie diese Presentation über die T-Zell Differenzierung.

th_cells

TH1/2 Zellen sind die “Generäle” in der Schlacht gegen Pathogenen, sie steuern die Truppen ohne selbst ins Gefecht einzugreifen. Das “T-” im Namen dieser für die Abwehr notwendigen Zellen kommt von “Thymus”, da dort die T-Zellen hauptsächlich reifen (neben Knochenmarkt und Darm). Nach dem Kontakt mit einem Erreger bestimmt das Zytokin Profil die Richtung in die sich die zunächst “Naiven” T-Zellen entwickeln werden. Wird z.B. Interferon Gamma generiert, differenzieren sich Naive T-Zellen in Richtung Th1. Und Interferon Gamma wird z.B. beim Kontakt eines Erreger mit einem der hochdifferenzierten “Pattern Recognition” Rezeptoren beim Kontakt mit einem interazellulären Erreger erzeugt. Siehe auch das Posting dazu. Interferon Gamma wiederum wird die Produktion von 1,25D aus 25D ankurbeln, was letzlich zu der Produktion von körpereigenen Bakteriziden führt mit dem Ziel, den Fremdkörper zu töten, wie im Posting über die Toll-Like Rezeptoren erwähnt wurde. So reagiert das angeborene Immunsystem auf eine Bedrohung.

Doch da kam ein neuer Spieler hinzu: die TH17 Zellen die sich schlecht in alten Schema TH1/TH2 einordnen liessen. Man hatte sie z.B. in der synovial Flüssigkeit von Patienten mit Arthritis Rheumatoider gefunden. Ein sehr guter Artikel auf Deutsch von Prof. Kamradt berichtet darüber. Mehrere Forschungsarbeiten haben TH17 Zellen im Zusammenhang mit humaner Autoimmunität in Verbindung gebracht.

“Other studies on different autoimmune diseases such as systemic lupus erythematosus (48), psoriasis (36,49,50), multiple sclerosis (51,52), systemic sclerosis (53), bowel inflammatory disease (54), ankylosing spondylitis (55), and juvenile idiopathic arthritis (56) have demonstrated the presence of high levels of IL-17 and other cytokines related to its pathway in serum and tissues.”

Siehe  Mesquita et al (“Autoimmune Disease in the Th17 Era“).  Dies erklärt, warum Autoimmunerkankungen sich schlecht nur mit TH1 oder mit TH2 Immunantworten beschreiben liessen.

Allerdings blieb die Frage übrig: was löst nun die TH17 Immunreaktion aus ?  Eine sehr gute Erklärung liefert die Arbeit von Torchinsky et al von März 2009 “Innate immune recognition of infected apoptotic cells directs TH17 cell differentiation” Die Arbeiten brachten Überraschendes zu Tage:  Die zur Bildung von TH17 Zellen charakteristischen Zytokinen wurde bei der Phagozytose von infizierten Zellen erzeugt:

“Our results demonstrate that infected apoptotic cells are a critical component of the innate immune signals instructing TH17 differentiation, and point to pathogens

Ein klarer Hinweis also, dass das fehlende Puzzleteil bei den üblichen Verdächtigen lag, nämlich bei Erreger. Infizierte Zellen werden also erkannt, von dendritischen Immunzellen attackiert, dabei entstehen die notwendigen Bedingungen um die für Autoimmunität typischen TH17 Zellen zu erzeugen.

Die Kontroverse um Marshall

“Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null – und das nennen sie ihren Standpunkt.” Albert Einstein

Trevor Marshall und seine Behandlungsmethode haben viele Anhänger, vorwiegend die Patienten die sein Protokoll gefolgt haben, aber auch viele Kritiker.

Daher bleibt das Thema in der öffentlichen Debatte kontrovers. Ich selbst habe viele Marshall kritische Artikel gelesen (ich denke ich habe sie alle gelesen)

Die Hauptkritikpunkte sind:

  • Marshall ist kein Arzt, sondern studierte ursprünglich Elektroingenieurwesen, kann er sich unmöglich mit Medizin “auskennen”.
  • Es sind wenige Veröffentlichung von ihm in den einschlägigen Fachjournalen
  • Es gibt keine unabhängigen langfristige Studien über den Marshall-Protokoll
  • Nicht alle Patienten hatten Erfolg, einige haben die Behandlung abgebrochen

Die Kontroverse spiegelt sich in den Wikipedia Artikel über ihn (auf Englisch), die immer noch in Status “the neutrality of this Article is being disputed” (die Neutralität dieses Artikels ist immer noch in Diskussion). Es ist auch nicht überraschend, dass einige seinen härtesten Widersacher selbst mit Vitamin D Geschäfte betreiben, typisches Beispiel hier zu ist Dr. Mercola (betreibt selbst ein Vitamin D Shop in Internet).

Hier einige kritische Artikel:

  • Von Dr. Cannel, Direktor des Vitamin D Councils
  • Von William Davis, von “the Heart-scan Blog”, in Prinzip nur die Kopie von Dr. Cannel´s Artikel mit einigen Anmerkungen.

Was bei den Kritiker auffällt ist,  dass sie sich relativ selten inhaltlich zu seiner Theorie äussern und versuchen sie zu widerlegen. Das wäre in Prinzip nur möglich, wenn man exakt die gleichen Berechnungen von Marshall anstellen würde und zu anderen Ergebnise kommen würde. Bisher ist dies jedoch nicht der Fall gewesen, zumindest ist mir nichts bekannt.  Hinzu kommt, dass der endgültige Beweis der L-Form Bakterien als Ursache von Auto-immunerkrankungen fehlt. Dies dürfte in der Tat sehr schwer sein, wenn auch das Auftreten von Herxheimer-Reaktionen diese Ursache vermuten lassen (woher kommt sonst eine Herxheimer-Reaktion ohne Bakterien?)

Wobei hier Kritiker oft vergessen, dass L-Form Bakterien bereits nachgewiesen wurden  (siehe kapitel in diesem Blog darüber), bei der Arthritis Rheumatoides sei hier auf das hervorragende Werk von dem US Forscher McPherson Brown verwiesen.

Auch ein Punkt was für Missverständnisen sorgt ist das Vermeiden von jeglicher externen Vitamin D Quelle bei den Teilnehmer des Marshall Protokolls.

Es ist auch korrekt, dass keine unabhängige Studien zum Marshall-Protokoll gibt, sondern nur die Versuchsgruppe die Marshall selbst betreut. Dies scheint sich langsam aber sicher zu ändern, denn es ist eine Kooperation mit einem Chinesischen Krankenhaus im entstehen. In China scheint die Marshall-Methode auf sehr grosses Interesse gestossen zu sein.

Marshall führt ein Dr. Titel der Western Australia University. Seine Dissertation beschäftigte sich mit der Modellierung des Glucose/Insulin Stoffwechsel. Er arbeitet also seit fast 30 Jahren in Bereich der Microbiologie mit Schwerpunkt auf Gentranskription. Er ist also ein Molekularbiologe und kein Arzt.

Seit 2007 ist Dr. Marshall Hilfprofessor (Adjunt Professor) für Biologie und Biotechnologie  in der Murdoch University von Westaustralia.

Er leitet die Autoimmunity Research Foundation, eine non-Profit private Organisation die sich intensiv mit der Erforschung von Autoimmun-Erkrankungen und ihre Behandlung beschäftigt. Darunter befinden sich auch Biologen (wie Paul Albert, Ami Proal) sowie Ärzte (Dr. Georg Blaney)

Das Marshall-Protokoll ist in Prinzip auch die Weiterentwicklung des “Roadback Protokoll” von McPherson Brown, ein US-Arzt was mehr als 100 Veröffentlichungen zum Thema Arthritis Rheumatoides und ihre Behandlung mit Antibiotika schrieb.

Das Wissen über seine Behandlungsmethoden ist frei in Internet verfügbar, es wird keinerlei Geschäft damit betrieben. Er stellt sich auch in seinem Forum für Fragen zu Verfügung, die sich aber aber hauptsächlich auf Hilfe und Verständnis des Protokolls beziehen und weniger der reinen Polemik.

Marshall verkauft keine Medikamente oder sonstige Nahrungsergänzungsmittel, seine Vorträge in internationalen Tagungen sind in Vimeo frei verfügbar. Sein Protokoll ist patentiert, wohl um zu vermeiden, dass windige Geschäftsmacher eventuell Geld damit verdienen.

Die Liste von Trevor Marshall Veröffentlichungen kann in seiner Website angesehen werden.

Proal AD, Albert PJ, Marshall TG. Autoimmunity in the Era of the Metagenome. Autoimmunity Reviews, in press.
http://dx.doi.org/10.1016/j.autrev.2009.02.016

Full Text ist verfügbar in:
http://AutoimmunityResearch.org/transcripts/AR-Proal-Metagenome.pdf

sowie

Albert PJ, Proal AD, Marshall TG. Vitamin D: The alternative hypothesis. Autoimmunity Reviews, in press.
http://dx.doi.org/10.1016/j.autrev.2009.02.011

Der Fulltext dazu:
http://AutoimmunityResearch.org/transcripts/AR-Albert-VitD.pdf

Mittlerweile hat Focus Gesundheit ebenfalls von der neuesten Marshall Veröffentlichung in Autoimmunity Reviews berichtet (April 2009)

Die Rolle der Toll-Like Rezeptoren in Autoimmun-Erkrankungen

Im Jahre 2006 führte ein Forschungsteam aus California (Department of Microbiology, Immunology, and Molecular Genetics; University of California at Los Angeles) ein bemerkenswertes Experiment. Die Studie ist vielfach zitiert in der Fachwelt.  Es ging um die Antwort des angeborenen Immunsystem auf die Reizung durch ein Bakteriums. Doch bevor wir uns mit seinen interessanten Experiment beschäftigen ist es wichtig, die Unterscheidung zwischen dem angeborenen und das adaptive Immunsystem zu kennen (Englisch: “innate and adaptive immunity”)

Das angeborene Immunsystem recht “primitiv” aufgebaut (Fruchtfliegen haben das gleiche System wie wir stolze Homo Sapiens) Evolutionstechnisch ist es älter als das adaptive Immunsystem, also jenes System was lernfähig ist und Antikörper gegen bekannte Erreger entwickelt. Das angeborene Immunsystem wirkt sofort und ist die erste “Verteidigungslinie” des Organismus.

Das angeborene Immunsystem ist sofort einsatzbereit, es liefert eine Antwort innerhalb von sekunden und kann fremde Organismen durch den Einsatz von körpereigene Antibakterielle Substanzen (Calcethidin, LL-37). Das Adaptive immunsystem reagiert langsamer, innerhalb von Tagen, und hat eine spezifische Antwort auf jeden von ihm erkannten Erreger. Wenn wir von “Antikörper” des Immunsystems reden, meinen wir das adaptive immunsystem. Die angeborene Abwehr kennt keine Antikörper, sondern reagiert sofort auf eine Reihe von definierten Fremdsubstanzen.

Das angeborene Immunsystem braucht einen bestimmten Erreger nicht zu “kennen” um Alarm zu schlagen, sondern wird aktiv sobald eine fremde Substanz mit den Toll-Like Rezeptoren in Kontakt kommt.

Geschichtlich gesehen haben die “Antikörper” sowie “Auto-Antikörper” die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen, aber es könnte sehr gut sein, dass dies nur ein Nebenkriegschauplatz ist.   Daher ist es ratsam, sich etwas genauer mit unsere “primitiven” Abwehr zu beschäftigen und insbesondere wie Vitamin D sie beeinflusst.

Das angeborene Immunsystem “sieht” die Erreger mit Hilfe der sogenannten Toll-Like Rezeptoren (Vertiefung, siehe dieser Artikel) Diese Rezeptoren sind ein Teil der sogenannten “Pattern Recognition Receptors”, also Rezeptoren die genau auf ein bestimmtes molekular-Muster (also auf bestimmte Stoffe) reagieren, und zwar auf Biochemische Substanzen die oft in Erreger vorkommen.

Z.B. TLR4 (Toll-Like-Receptor 4) reagiert auf polysacharide, eine Substanz die an der Oberfläche von Gram-negativen Erreger zu finden ist. Andere TLR´s reagieren auf andere Fremdsubstanzen, wie z.B. virales RNA. usw.  Die TLR  Rezeptoren befinden sich auf Zellen, die im Körper üblicherweise mit Erregern in Kontakt kommen, z.B. in den Makrophagen. Es gibt auch innerhalb der Zelle selbst TLR Rezeptoren, damit können intrazellulärbakterien detektiert und bekämpft werden.  Es sind also die TLR Rezeptoren genau der Ort, wo das Organismus zwischen Körpereigen und Körperfremd unterscheidet.

Nun zurück zu dem Experiment von Liu et al 2006 (full text hier und hier)

Der Amerikanische Forscher untersuchte wie genau das angeborene Immunsystem auf Reizung eines Bakteriums reagiert. Dazu benutzte er  ein Erreger (Mycobacterium tuberculosis) damit die TLR Rezeptoren angeregt werden. Was er beobachtete war folgendes:

  1. Die Aktivierung der Toll-Like Rezeptoren induzierte wiederum mittels eines Enzyms eine Produktion von 1,25D (aktives Metabolit aus Vitamin D) aus 25D (über den Gen Cyp27B1)
  2. Das  erzeugte 1,25D führte (mittels den Vitamin D Rezeptor) zur Bildung von den Körpereigenen Antibiotika Cathelcidin

Kurz zusammengefasst: Erreger werden durch die TLR Rezeptoren “entdeckt”, das Makrophage wird aktiviert und fängt zusätzliches 1,25D zu produzieren (also lokal) was wiederum zur Erzeugung des Bakterizids (Cathelcidin) führt, mit dem der Erreger abgetötet wird.  Es ist interessant zu sehen, dass der Körper selbst bakterizide (also Substanzen, die Bakterien vernichten können) herstellt. Sie sind höchsteffiziente körpereigene Antiobiotika, die wir ständig bei Bedarf erzeugen können. Das System ist es sehr effektiv, solange es richtig funktioniert.

Folgen für die Vitamin D Supplementierung

Die Experimente von Liu wurden mit Blut aus Caucasischen Probanden (“weisse”) sowie mit Menschen afro-amerikanischer Herkunft durchgeführt. Bei den Caucasischen Probanden lagen die 25D Werte in Blut rund um 30 ng/ml, bei den afro-amerikanischen unter 10 ng/ml.  Die entsprechende Produktion von Cathelcidin (also das körpereigene Antibiotikum) war bei den Caucasischen Probenden zwei Mal höher.  Aus diesen experimentellen Ergebnissen folgt die These, dass die Immunantwort des angeborenen Immunsystem umso höher ist, je höher das 25D Substrat ist.  Anhänger der Vitamin D Supplementierung extrapolieren diese Ergebnisse bis in Bereiche, die nicht gemessen wurden, also ob der gemessene Effekt sich beliebig erweitern liesse.  Das geht aus dem Daten nicht hervor, Liu hat die Bereiche von 25D nur bis 30 ng/ml untersucht. Daraus kann man keinerlei Aussage treffen, ob der Effekt bei  z.B. 25D > 60 ng/ml  sich genau so verdoppelt, wie es zwischen  25D 10 und 30 ng/ getan hatte.

Darüberhinaus wurde das Experiment “in Vitro” durchgeführt, d.h. ausserhalb des menschlichen Körpers. Es ist auch eine bekannte Tatsache, dass man “in vitro” Experimente nicht beliebig auf die Vorgänge innerhalb des Organismus übertragen kann.  Weiterhin werden in Experiment gekaufte Zellen (THP-1) mit Blut aus Probanden gemischt, d.h. Blut und Zellen stammen nicht aus dem gleichen Individuum, gerade bei den Schlussfolgerungen aus den afro-amerikanischen Probanden wäre hier vorsichtig angebracht, da man offensichtlich zwei unterschiedlichen Genomen in Experiment vermischt wurden.

Das Liu Experiment ist ohne Zweifel ein sehr wichtiger Schritt in der Erforschung und Verständnis der humanen Immunantwort des angeborenen Immunsystem (“innate Immunity”), es ist auch aus aus Patientenberichte bekannt, dass Vitamin D Gabe Immunantworten verstärken kann. Es gibt offensichtlich ein Bereich, wo eine gewisse Proportionalität zwischen der Konzentration von  25D  in Blut und der  Stärke der Immunantwort gibt, sie kann jedoch nicht beliebig extrapoliert werden. Zumindest, das geht nicht aus der Messung hervor. Auch entsprechende Experimente mit Tuberkulose Patienten ergaben, dass nur die blosse Gabe von Vitamin D den Zustand der Patienten nicht verbesserte.

Die hier gemessenen Effekten jedoch  dafür zu benutzen, massive Vitamin D Supplementierung zu betreiben, nach dem Motto “Viel hilft Viel” ist keineswegs angebracht.

Die Folgen für die Forschung der Autoimmun-Erkrankungen

Besonders wichtig für die Autoimmun-Erkrankungen war jedoch eine andere Beobachtung von Liu: in der Gegenwart eines VDR Antagonisten (also eines Stoffes die den VDR “blockiert” bzw inaktiviert) reduzierte sich die Produktion von Cathelcidin um 80%. Damit wäre das Bakterium vermutlich gar nicht abgetötet worden.

Ich bin sicher, dass dem Forscher selbst nicht klar war, dass er damit ein fehlendes “Puzzleteil” entdeckt hatte. Nämlich die Bestätigung von Marshall´s Vermutung, dass blockierte VDR Rezeptoren zu einer “Abschaltung” des angeborenen Immunsystem führen.

Liu zeigte zwar nicht, dass ein Bakterium diese Antagonisten zum VDR produzieren, wohl aber,  dass eine Blockierung des VDR´s zu einer verminderten Produktion von körpereigenen Bakteriziden führt. Das hatte viele Jahren zuvor Marshall postuliert.

Es ist ebenfalls bekannt, dass die Aktivierung der TLR Rezeptoren zu Autoimmunerkrankungen führen kann (siehe zum Beispiel diese Studie aus der Schweiz, Lang et al 2005)

Wie in anderen Postings dieses Blogs gezeigt wurde, findet man einen Überschuss aus 1,25D in den Blut von Autoimmunpatienten. Aus dem Arbeiten von Liu (und aus anderen) wird jetzt klar, woher diese extra-renale 1,25D stammt und warum es erzeugt wurde, nämlich aus einem (vergeblichen) Versuch, einen Erreger zu töten, oder weil sonstige Substanzen diese TLR angeregt haben.

Und folgt man der Studie von Liu, dann wird auch klar, warum es möglicherweise der Erreger auch nicht zerstört wurde, nämlich weil sich an “Ort und Stelle” ein VDR Antagonist befand.  Was würde es dann passieren ?

Möglicherweise wird dann die Produktion von 1,25D gar nicht mehr gestoppt. Das angeborene Immunsystem produziert dauernd 1,25D in der vergeblichen Hoffnung, es wird den Erreger irgendwann töten. Und wenn dies nicht erfolgt? Dann hat man eine chronische Entzündung. Und sind Auto-immunerkrankungen nicht anders als chronische Entzündungen, die von Immunsystem stammen?

Die hohen 1,25D Werte in Blut von Autoimmun-Patienten kämen also genau vom Mechanismus, was von Liu et al beobachtet wurde, nämlich aus der Produktion von diesem Metabolit aus Folge einer Reizung der TLR Rezeptoren. Was könnte also die TLR gereizt haben? In Gegensatz zu Antikörper, die möglicherweise körpereigenen Gewebe “verwechseln” und dann angreifen, sind TLR Rezeptoren recht spezifisch auf körperfremde Substanzen. D.h. die Tatsache, dass sie gereizt wurden ist ein deutlicher Hinweise, dass in der Tat körperfremde Substanzen gefunden wurden.

Forscher suchen vergeblich nach anderen Möglichkeiten

Obwohl die o.g. Erklärung eigentlich plausibel erscheint, konzentriert sich momentan die Forschung auf die Frage: was führt zu der Erregung der Toll-Like Rezeptoren. Sie suchen ob möglicherweise RNA aus dem Zellkern “fälschlicherweise” die TLR Rezeptoren anregt (siehe Dean et al 2006) oder ob andere Substanzen möglicherweise diese Rezeptoren anregen.

Meiner Meinung nach ist diese Suche vergeblich. Der menschliche Körper produziert nun mal keine Substanzen, die er als schädlich ansieht. Ansonsten hätten wir ständig Autoimmun-Reaktionen. Genetische Veränderung sind in Prinzip möglich, aber es ist kaum glaubhaft, dass 5% der Bevölkerung Genetische Mutationen aufweist, die zu solchen Verhalten führen.

Wenn die TLR Rezeptoren angeregt werden, dann ist doch die Vermutung naheliegend, dass sie sehr wohl in Kontakt mit einer Körperfremdesubstanz gekommen sind, und zwar eine Substanz auf die die TLR Rezeptoren spezialisiert sind. Die TLR Rezeptoren reagieren also ganz genau wie sie reagieren sollen. Warum der Erreger nicht getötet wird, warum er sich weiterhin verstecken kann, warum es in Blut nicht nachgewiesen werden kann, das sind stets offene Fragen, wobei wir hier schon eine Hypothese haben. Nämlich die Blockade des VDR´s, genau so wie Marshall viele Jahre vor Liu ´s Entdeckung bereits postuliert hatte.

Zur Vertiefung, siehe auch diese israelische Veröffentlichung von 2004 Toll-like receptors and their role in the development of autoimmune diseases.  Eine sehr gute Zusammenfassung über die TLR´s bietet der Artikel “TLR eröffnen neue Möglichkeiten” von der Pharmazeutischen Zeitung. Einen guten Überblick über die TLR´s (in Englischer Sprache) gibt es hier.

Eine andere Theorie die die Entwicklung von Autoimmunerkrankugen via das angeborene Immunsystem ist die “Molecular Mimicry” Theorie. Siehe auch  On the Role of the Innate Immunity in Autoimmune Disease

Vitamin D und Wundheilung

Mittlerweile scheinen immer mehr Wissenschaftzweige die herausragende Rolle von 1,25D in Zusammenhang mit dem Immunsystem zu erkennen. Richard Gallo, professor für Dermatologie in   San Diego, California, veröffentlichte in Februar 2007 eine Studie über Vitamin D und Wundheilung, diesmal bezogen auf Hautwunden.   Genau wie Liu et al beobachtete Richard Gallo das gleiche Verhalten. Als Folge von Kontakt eines Erreger (die durch die Wunde in Körper eindringen) lösen die TLR Rezeptoren die vermehrte Produktion von 1,25 aus 25D Substrat, was die Wundheilung begünstigt da mehr Calcethidin ebenfalls produziert wird.

Die Studie fand auch einiges an Echo in der Deutsche Medienlandschaft, siehe z.B. Focus Gesundheit.

Das Beispiel von der zusätzlichen Produktion von 1,25D zeigt deutlich, wie langsam sich neue Erkenntnisse in der Wissenschaft durchsetzen. Mittlereweile dürfte es klar sein, dass die Lokale Produktion von 1,25D  (also extra-renal, ausserhalb der Nieren) eng gekoppelt mit einer Immunantwort des angeborenen Immunsystem ist. Trotzdem werden hohe 1,25D Werte in Blut meistens ignoriert, z.T. als Folge der recht hohe Grenzwerte die in Deutschland noch  als “normal” gelten (bis 80 pg/ml)

Neues aus der Tagung Gene 2008 in Foshan, China


Keynote Presentation at the 2008 World Gene Congress from Trevor Marshall on Vimeo.

Vor einigen Wochen fand die Gene 2008 in Foshan, China statt (5-7 Dezember 2008)

http://www.bitlifesciences.com/wcg2008/event_report_program.htm

Eine von den Keynotes war die von Trevor Marshall, der die letzten Ergebnissen seiner Methode für Autoimmun-Erkrankungen vorstellte. Titel der Keynote war: “Understanding Human Disease requires study of a Metagenome, not just the Human Genome”

Das Video dazu (leider nur in English) kann man sehen in:

http://www.vimeo.com/2585394

Interessante Stellen:

10:17 Informationen über die die Erfolge in der Behandlung von Sarkoidose

12:29 über intrazellular Bakterien

15:49 sehr interessante Bilder von infizierten Zytoplasmen, aufgenommen mit hochauflösenden Mikroskopen

18 35 Die Rolle von Vitamin D Rezeptor VDR in Autoimmun Erkrankungen

26:00: Vitamin D Stoffwechsel und VDR

sowie viele molekulardynamischen Simulationen und sonstige interessante Informationen für Leute die sich für Autoimmun Erkrankungen interessieren.


Die Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen mit dem Marshall Protokoll

“The precise operation of the human metabolism is infinitely more complex than any of us can ever hope to comprehend…  The more we understand, the more we realize we don’t know… Trevor Marshall.

Nach dem wir in diesem Posting das Marshall Modell verstanden hatten, geht es in diesem darum das sogenannte “Marshall Protokoll” (ein “Protocol im Englischen Kontext ist eine Behandlungsmethode, also keine Notizen oder ähnliches).

Die Behandlung hat folgende Ziele:

  1. Den “Teufelkreis” der zusätzlichen 1,25D Produktion in den Makrophagen zu stoppen
  2. Die Wiederaktivierung des VDR Rezeptors damit der Körper selbst sich gegen die L-Form Bakterien wehren kann
  3. Die negativen Auswirkungen der in 1-2 erzeugten Immunreaktion zu mildern (sogennante Herxheimer Reaktion)

Doch bevor ich auf die Details des Marshall Protokolls eingehe, hier eine deutliche Warnung:

Das Marshall Protokoll ist von der FDA (Food & Drugs Administration) in USA nicht zugelassen. Es befindet sich im Versuchsstadium. Patienten die diesen Behandlungsmethoden folgen tun das unter ärztlicher Aufssicht eines Arztes ihres Vertrauens. Es wird hier dringend abgeraten, diese Methode ohne Unterstützung eines Arztes ganz oder teilweise anzuwenden .

Da zusätzliches Vitamin D (25D) die schädliche Produktion von weiterem 1,25D in den Makrophagen fördert, müssen Patienten unter Behandlung des Marshall Protokoll sämtliche externen Quellen von Vitamin D in der Nahrung vermeiden (wohl gemerkt, solange genügend aktive Vitamin D in ihre 1,25D Form vorhanden ist, kann es keinen Vitamin D Mangel geben). Darüberhinaus fand Marshall heraus, dass 25D ab Konzentrationen von 20 ng/ml immunosupprimierend wirkt, d.h. es wirkt der 1,25D Form entgegen und fängt an das  ”gute” Vitamin D (1,25D) vom VDR fernzuhalten, womit das angeborene Immunsystem gebremst wird. Das kann kurzfristig zu einer Linderung der Symptomen führen (wahrscheinlich deswegen wirkt sich die Einnahme von Vitamin D positiv aus), langfristig macht die Krankheit nur noch schlimmer. Es versteht sich von selbst, dass dies einer der meist kontrovers diskussiertesten Punkte der Marshallschen Methode ist, da es komplett entgegengesetzt der allgemein gültige Meinung über Vitamin D ist. Das Problem scheint zu sein, dass man sehr schnell Vitamin D mit 25D gleichsetzt, was falsch ist. Selbstverständlich ist Vitamin D extrem wichtig, aber in ihre 1,25D Form.

Als Medikament setzt Marshall das in Deutschland bekannte Anti-hypertensivum Olmetec (in Englisch unter dem Namen BENICAR bekannt), mit dem Wirkstoff Olmesartan, allerdings in viel höhere Dosis, ein. Details über die Wirkung von Olmetec an den VDR Rezeptor finden sich in dieser Studie.

Olmetec kann ebenfalls an den VDR  ”andocken” und damit in Konkurrenz zu den bakteriell erzeugten Substanzen (Capnine) treten (von Marshall in Molkelulardynamischen Simulationen gezeigt, siehe sein Paper dazu). Damit wird das schädliche Capnine entfernt und den VDR “aktiviert”.

Da die Makrophagen für die krankhafte Produktion von 1,25D Angiotensin II benötigen, wirkt Olmetec diesem Prozess entgegen, da es selbst Angiontensin II blockiert (daher ruht ja seine anti-hyptertensiven Wirkung). Die Eigenschaft von Olmetec (Benicar/Olmesartan) als Agonist zum VDR Rezeptor war nicht bekannt, es steht nicht in den Packungsbeilagen und wurde von Marshall selbst entdeckt. Das Medikament kann viel mehr als nur Blutdruck senken. Die Wirkung ist auch Dosisabhängig, und zwar:

  1. Bei niedriger Dosis: setzt die Angiotensin II Blockade und wirkt als Blutdrucksenker
  2. Bei mittleren Dosen: aktiviert den VDR Rezeptor, Immunsystem wird re-aktiviert. Bei welcher Dose dies genau erfolgt hängt auch davon ab, wieviel konkurrierendes 25D sich am Rezeptor befindet.
  3. Bei hohen Dosen: hat eine schützende Wirkung gegenüber von schädlichen Zytokinen, es wirkt lindernd im Falle der Herxheimer Reaktionen als Folge von 2 (siehe unten). Es wirkt Anti-entzündlich.

Die Anti-entzündliche Wirkungen von Olmetec wurden neulich (2010) von einer Japanischen Forschungsgruppe bestätigt

Die anti-bakterielle Wirkung kommt also durch das Anregen des angeborenen Immunsystem, was nun selbst in der Lage ist genügend antibaktieriellen Substanzen (LL-37) zu produzieren um die Erreger zu töten. Gleichzeitig wird der möglicherweise gefährlichen  ”Zytokinensturm” durch das Medikament selbst gemildert, da Olmesartan (Olmetec) die NF Kappa-B transkription unterdrückt. Weiterhin wird die Produktion von TNF-Alpha bei den Makrophagen ebenfalls vermindert, allerdings nicht in der gleichen Art und Weise wie herkömmlichen TNF-Alpha tun, damit werden die Nebenwirkungen von gewöhnliche TNF-Alpha Blocker vermieden. Für Details siehe “How Benica works” in Englischer Sprache.  Die Unterdrückung der NK-Kappa B macht sich auch möglicherweise bemerkbar in der OTherapie der Artheriosklerose, hier hat Olmesartan (Olmetec) ebenfalls eine positive Wirkung gezeigt.

Das Einnehmen von Olmetec in Kontext des “Marshall Protokolls” bei hohen Dosen und in regelmässigen Zeitabständen (alle 8 stunden) wird in Marshall Protokoll  “Angiontensin Blockade” genannt. Da Olmetec an den VDR höchstens 6- 7 Stunden “andockt”, muss nach dieser Zeit das Medikament wieder eingenommen werden, daher die Notwendigkeit es häufiger zu nehmen.

Mittlerweile hat die “herkömmliche” Klinische Forschung die Vorteile von Blutdruckmittel als Therapie gegen Autoimmunerkrankungen wohl entdeckt, siehe z.B. erste ermutigende Ergebnisse der Abteilung für Neuroimmunologie im Heidelberger Universitätsklinikum.

Damit ist der menschliche VDR (Vitamin D Rezeptor) wieder aktiv und der Körper gewinnt wieder seine Fähigkeit, selbst Bakterien zu bekämpfen. Bakterien werden getötet und setzen Proteine und Zytokine frei, was die Symptome der Krankheit kurzfristig verstärkt. Es kommt zu einer Jarish-Herxheimer Reaktion.

Diese Reaktion war schon bekannt bei der Behandlung von Patienten mit Antibiotika, z.B. bei Syphillis oder Borreliose.

Das ist eine der Hauptnachteile der Marshallschen  Methode, da je nach Schwere der bakteriellen Infektion diese Reaktion mehr oder weniger stark ausgeprägt auftritt. Hier wirkt Olmetec hoch dosiert mildernd, so dass dies den Patienten zusätzlichen Schutz bietet. Trotzdem sind  die auftretenden Reaktionen ernst zu nehmen und müssen unbedingt mit einem Arzt besprochen werden. Hier ist es extrem wichtig, dass die Patienten regelmässig Olmetec einnehmen (idealerweise jede 6 Stunden), denn es ist der einziger Schutz gegen entzündungsfördernden Zytokinen die sonst Organschäden verursachen könnten.

Interessant ist hier die Tatsache, dass Olmetec ein häufig verschriebenes Medikament ist (Anti-Hypertensivum). In der Regel gibt es selten Nebenwirkung. Wird jedoch diese Arznei an Patienten die an Autoimmunerkrankungen leiden verschrieben (möglicherweise wissen die Patienten selbst nicht, dass sie an diese Kranheit leiden), werden bei mittlerer Dosis (z.B. 20 mg/tag) die o.g. Prozesse in Gang gesetzt. Der Patient wird vermutlich über “Nebenwirkungen” klagen, obwohl die Symptome eigentlich eine Folge von Herxheimer Reaktionen sind und von der Krankheit selbst kommen, nicht vom Medikament. Trotzdem ist hier   Vorsicht anzuraten. Da das Marshallsche Model in Deutschland so gut wie unbekannt ist, ist auch diese Tatsache nicht bekannt.

Wenn ein Patient Olmetec einnimmt und starke, unerklärliche Nebenwirkungen auftreten, wäre es angebracht die Vitamin D Werte zu messen (25D/1,25D), es könnte eine TH1-Entzündung vorlegen vor (25D wird knapp am unteren Wert sein, 1,25D wiederum am Anschlag). Bei gesunden Menschen dürfte Olmetec so gut wie keine Nebenwirkungen haben.

Marshall selbst vermutet, dass praktisch alle beobachteten “Nebenwirkungen” von Olmetec von Personen stammen, die TH1-Entzündungen haben, möglicherweise ohne es zu wissen.

Zusammenfassung des Marshall Protokolls:

  1. Vermeidung von externen Vitamin D sowohl in Nahrungsergänzung als in der Nahrung selbst
  2. Aktivation des VDR Rezeptor mit hochdosierten Olmetec (Benicar/ Olmersartan/ Votum), 40 mg jede 6 Stunden.
  3. vorsichtige “pulsierte” Antibiotika Behandlung mit Minocycline , start mit 25mg jeden zweiten Tag, dann um 25mg Schritte vorsichtig erhöhen

In früheren Versionen der Behandlungsmethoden kamen auch weitere Antibiotika wie Clindamycin und Azithromizin um Einsatz, mittlerweile geht der Trend jedoch beim MP diese AB´s nur sehr vorsichtig einzusetzen. Gerade Azithromizin ist sehr schwer zu dosieren und verursacht sehr viele Nebenwirkungen, daher geht man heute davon ab, bzw nur unter sehr sorgfältigen Überlegungen.  Versuche haben gezeigt, dass Patienten mit Olmesartan alleine eine langsame Besserung erzielen.

Vor allem die Empfehlung, die 25D Werte in Blut unter 20 ng/ml zu halten sorgt bei oberflächlichen Betrachtung zu Skepsis, dann die Empehlung liegt gerade entgegen des geläufigen “Dogma” der Vitamin D Supplementierung. Bei einer genaueren Betrachtung sieht man jedoch, dass die Wiederherstellung des Vitamin D Stoffwechsel selbst das eigentliche Ziel des Marshall Protolls ist. Es ist der körpereigene Vitamin D Stoffwechsel was die Heilungsprozesse in Gang setzt, und zwar durch die Aktivierung des angeborenen Immunsystem (“innate Immunity“) durch Olmetec als Agonist von Vitamin D Rezeptor VDR. Die benutzen Antibiotika wirken “bakteriostatisch”, d.h. sie schwächen die Bakterien soweit, dass sie von (nun reaktivierten) Immunsystem vernichtet werden können.  Die Pathogenen werden damit “von zwei Seiten angegriffen” und effektiv bekämpft. Es ist aber leider so, dass es unmöglich ist intrazellulären Bakterien zu vernichten ohne Verlust ihre Wirtszellen, was wiederum kurzfristig zu Symptomverschlechterung führt.

Die Darstellung des Marshall-Protokolls in diesem Posting  ist stark vereinfacht.  Die Gesamtbehandlung streckt sich über drei unterschiedlichen Phasen, die sehr detailliert beschrieben sind (Englisch). Für Ärzte ist ein spezieller Bereich in den Marshall-Foren vorgesehen.

Siehe weiter unten für Deutschsprachigen Versionen.

Während der Behandlung ist mit Herxheimer Reaktionen zu rechnen die je nach Schwere der Erkrankung schwächer oder stärker auftreten können. Sie sind unvermeidlich und einer Folge der Krankheit selbst. Sie wird damit “sichtbar”. Marshall prägte den Begriff “Immunopathology”, d.h. Krankheitssymptomen die aus dem Immunsystem selbst stammen. In Prinzip sind z.B. die Symptome eines Schnupfen  nicht anders als die Wirkung des Immunsystems.

Die Antibiotika Behandlung beim Marshall erfolgt “pulsiert”, d.h. statt eine gleichmässigen Konzentration des Medikaments zu streben werden sie jede 48 Stunden in kleinen Dosen eingenommen. z.B. in der Phase 1 des MP fängt man mit 25 mg Monocyclin jede 48 Stunden und steigert die Dose bis auf 100 mg (Details in der CuremyTH1.org site).  Damit wurde die höchste antibaktierielle Wirkung erzielt. Die Wirkung der Antibiotika wird durch den Einsatz von Olmesartan potentiert, d.h. sie entfalten damit ein Vielfaches an Wirkung.

Vertiefung: “Cell Wand deficient Bacteria and the MP”

Siehe auch das Video im 6th International Congress on Autoimmunity in Porto, Portugal (Sept 10-14, 2008), dazu gibt es auch ein PDF Transkript. Laut dieser Studie kam es bei 81%  der Teilnehmer zu einer Besserung ihrer Symptome nach 18 - 53 Monaten. Die größte Versuchsgruppe waren Patienten mit Arthritis, Rheumatoidis sowie Hashimoto Thyroiditis, gefolgt von Patienten von Uveitis.

Molekulardynamisches Model von menschlichen VDR mit Olmetec Molekül. Aus dem Marshall Video in der Gene 2008

Molekulardynamisches Model von menschlichen VDR mit Olmetec Molekül. Aus dem Marshall Video in der Gene 2008

Neu! Infos auf Deutsch von Joyce Waterhouse (Autoimmunity Research). Übersetzung des Artikels “The Marshall Protocol for Lyme Disease and Other Chronic Inflammatory Conditions” aus dem Magazin „Townsend Letter“ vom Mai 2007

mppart1german .pdf (Teil 1)

Weitere Informationsquellen über das Marshall Protokoll (in Englischer Sprache)

Knowledge Base Marshall Protocol (in Aufbau)

Geschichte des Marshall Protokolls

Flash Video über das Marshall Protokolls: mit Video Aufnahmen von L-Form Bakterien. Hier das Dokument als PDF

Ergebnisse des Marshall Protokolls wie sie in den 6th Autoimmunity Congress in Porto 2008 vorgestellt wurden

Bei dem genannten Autoimmunity Congress in Porto wurden die vorläufigen Ergebnissen des Marshall-Protokolls vorgestellt. In der Testphase nahmen mehr als 1000 Patienten teil, wobei etwa die hälfte sind weiterhin aktiv. Davon wurden 100 representativen Ergebnissen zusammengefasst:

Ergebnisse des Marshall Protokolls

Die Originalpresentation kann hier eingesehen werden (tranksript), oder als Video.

Die grösste Anzahl von Teilnehmer litten unter Rheumatoide Arthritis , gefolgt von Patienten mit Hashimoto Thyroiditis, Uveitis sowie Psoriasis. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte in den ersten zwei Jahren deutliche Verbesserungen ihre Symptome. Ingesamt zeigten 83% der Teilnehmer Verbesserungen zwischen den 15 und 53ten Monat der Behandlung. Alle hatten “immunopathologie” vermutlich aufgrund von Herxheimer Reaktionen als Folge der wachsenden Anzahl von getöteten Bakterien.



Das Marshall Modell der Autoimmun-Erkrankungen

…oder warum Paul Ehrlich mit seinem “Horror Autoxicus” doch Recht hatte.

Nach dem üblichen Verständnis von Autoimmun-Erkrankungen greift das Immunsystem aus bisher unbekannten Gründen irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe an.

Interessant ist das Wort “Irrtümlicherweise”. Der Körper macht also einen Fehler und greift eigenes Gewebe an, was laut Paul Ehrlich eigentlich nicht vorkommen sollte. Er prägte den Begriff “Horror Autoxicus”, d.h. der menschliche Organismus hat eine wahre Abneigung, sich selbst anzugreifen. Was an sich verständlich ist.

Es gibt also eine verborgene, bisher “unbekannte” Ursache für dieses merkwürdige Verhalten des Immunsystems. Eigentlich sollte man erwarten, dass nach Jahrmillionen Evolution das Immunsystem sehr wohl wissen sollte was körpereigen und was körperfremd ist. Insofern ist dieses Verhalten schon etwas seltsam.

“Irgendetwas” führt dazu, dass das Immunsystem ausser Kontrolle gerät. Was ist nun dieses mysteriöse “Etwas”?

Trevor Marshall identifizierte dieses “Irgendetwas” als eine lebenslange Kumulation von unterschiedlichen Erreger “Metagenomic Microbiota”, unter anderem Bakterien in der L-Form. (d.h. Erreger die die “L-Form eingenommen haben),  die bestimmte Prozesse des Immunsystems, wie z.B. den Vitamin D Stoffwechsel soweit stören, so dass Autoimmunerkrankungen überhaupt erst entstehen können. Die Vermutung, dass Autoimmunerkrankungen von Pathogenen verursacht werden ist allerdings nicht von Marshall, sondern etliche andere Forscher haben diese Vermutung schon seit dem 19. Jahrhundert geäussert (z.B. Boeck bei der Sarkoidose) Vergleiche auch das Werk von Lida Mattman “Cell Wand Deficient Forms – Stealth Pathogens“. Sie wurde für den Nobelpreis von Medizin nominiert.  Siehe beispielhaft für andere Forscher die diese These vertreten, . Rook et al  1992 (“slow bacterial infection or autoimmunity ?“) sowie der bereits erwähnte US Arzt Thomas McPherson Brown.

Damit hätten sämtliche Autoimmun-Erkrankungen ein und dieselbe Ursache:  Eine Bakterielle Infektion durch L-Form Bakterien. Diabetes von Typ 1, Rheuma, Sarkoidose, Hashimoto, Colitis Ulcerosa und möglicherweise sogar Parkinson hätten die gleiche Ätiologie. Die Vielfalt der Erkrankungen enstehen durch die unterschiedlichen Gewebearten, die das Immunsystem angreift, möglicherweise auch durch die Kombination von verschiedene Erregern. Es gibt laut Marshall nicht den Erreger (nach den “Koch Postulaten” gibt es für jeder Erreger-induzierte Krankheit nur ein Pathogen), der die Autoimmunerkrankung XYZ erzeugt, sondern gleich mehrere spezies intrazellulären Pathogenen, die letzlich zu der Krankheit führen. Das erklärt auch warum soviele Autoimmunerkrankungen zusammen auftreten (z.B. Hashimoto und Psoriasis, etc). Original Zitat:

“It became pretty clear to me that all the chronic inflammatory diseases were arising from a common pathogenesis which, I figured, had to be a failure of the innate immune system. And we found that it had to be a Th1-dominant cytoplasmic, metagenomic microbiota. And in particular, that persistent phagocytic infection had to be the cause” (Trevor Marshall beim Prag Vortrag über Chlamydien April 2009)

Die Marshallsche Vermutung basiert z.T. auch auf experimentelle Daten. Im Jahre 1989 untersuchte der amerikanische Wissenschaftler Emil Wirostko von der Columbia-Presbyterian Medical Center in New York das Blut von Sarkoidose-, Arthritis Rheumatoides- sowie Lupus- Patienten mit hochauflösenden Elektronenmikroskopen. Er fand überall das gleiche: infizierte Makrophagen mit lebenden Mollicut-Bakterien in ihren Zytoplasmen  (also innerhalb der Immunzelle, siehe Bild in diesem Posting “The Wirotsko Studies”).   Der US Arzt Thomas McPershon Brown hatte ebenfalls cell-wand-defiziente Pathogenen als Ursache für Arthritis Rheumatoides vermutet.

Im Gegensatz zu den Koch Postulaten, wodurch eine bestimmte Krankheit durch nur ein Erreger spielen laut Marshall mehrere Erreger eine Rolle.  Das Immunsystem wird also durch kleinsten Pathogenen irregeleitet und fängt an, eigenes Gewebe zu zerstören. Die eigentliche Erreger mögen ansonsten recht harmlos sein, es ist die Reaktion des Immunsystems was den Schaden anrichtet.

Marshall stellte auch ein Modell auf, wobei er genau beschreibt, warum die intrazelullären Bakterien überleben können und damit die Verteidigung des Immunsystems ausser Kraft setzen können:

“We carry around bacterial, viral, phage, and fungal DNA. The manner in which this metagenomic DNA manages to persist as an intra-phagocytic community determines the disease symptoms we will accumulate as we age.

The bacterial species collect in symbiosis, progressively disabling our immune systems (so as to ensure the microbiota’s survival) and affecting the way our cells work”  - Trevor Marshall

Mittlerweile haben andere Forscher diese Fähigkeit von Bakterien, den Wirt so zu verändern, dass ihr Überleben ermöglicht wird. Siehe Studie über Legionella, sowie Presseecho darüber. Zitat: Pathogens are successful because they know how information in our cells is relayed and they amplify some signals and block others in order to evade the immune system and keep the cell from defending itself..”

Das Auftreten von einer ganzen Reihe von Erreger (Bakterien in L-Form, Viren, Pilze) würde auch erklären, warum die Versuche nur “einen einzigen” Erreger als Auslöser von bestimmten Autoimmunerkrankungen bisher scheiterten.

Historisch gesehen entstand das Marshall-Modell aus dem Studium der Sarkoidose. In 2002 erschien eine Veröffentlichung aus Schweden (Nilsson), die zeigte wie Rickettsien innerhalb von Sarkoid-Granulomen experimentell beobachtet wurden.  Diese Beobachtung stimmte genau mit den Vermutungen die Marshall selbst aufgrund microbiologischen Modellen aufgestellt hatte “Quelle: The history of the Marshall Protocol)

Der australischer Forscher beschränkte sich nicht nur auf Ursachenforschung, sondern entwickelte auch eine Behandlungsmethode.  Das erste “Versuchkaninchen” war er selbst, denn er litt 30 Jahre lang an Sarkoidose.

Seine Krankheit war soweit fortgeschritten, dass er nach Meinung seinen Ärzten nur noch 18 Monate zu leben hatte.   Es gelang ihm erstens sich selbst zu heilen und dann Hunderten von Patienten die seiner Behandlungsmethode, dem sogenannten Marshall Protokoll, folgten. Anfänglich waren hauptsächlich Sarkoidose Patienten darunter, später zeigte sich deutlich, dass die Symptome und Blutbild bei vielen anderen Erkrankungen ebenfalls auftrat, was die Vermutung brachte, sie hätten eine ähnliche Ursache.

Doch bevor wir uns mit der Behandlung befassen, ist es wichtig das Marshallsche Model für Autoimmun-Erkrankungen zu verstehen. Dazu es ist notwendig, die vorherigen Postings in diesem Blog gelesen zu haben, und zwar:

Das Marshall Model ist hier sehr vereinfacht dargestellt:

  1. Autoimmun Patienten sind u.a. mit  intrazellulären Pathogenen infiziert. L-Formen spielen hier auch eine wichtige Rolle. Wir erinnern uns, dass “L-Form” ist nur eine spezielle Form die einige Bakterienarten einnemen können und keine eigene Bakterienart, wie leider oft verwechselt wird. Es ist vermutlich nicht nur ein Pathogen, sondern eine statistische Kombination von sehr vielen (Bakterien, Pilze, Viren).  Die kumulation der Pathogenen erfolgt über Jahrzehnte, also Folge einer immer schwächer werdende Immunabwehr (angeborene Immunität). Die statistische Kombination von Pathogenen wird in Marshall Modell  als Metagenomic Microbiota bezeichnet. Die Kochschen Postulaten verlieren ihre Gültigkeit.
  2. Die Bakterien sitzen bevorzugt in den Makrophagen , je nach Krankheit auch in anderen Geweben.  Sie greifen die Zellen intrazellulär an, d.h. sie leben in der Zelle selbst. Dort werden sie vom Immunsystem nicht erkannt und auch nicht angegriffen. Bei den Makrophagen ist der programmierte Zelltod (apoptose) auch verändert, so dass sie länger überleben. Dieser “Trick” von Bakterien wurde schon z.B. bei Chlamydien experimentell bestätigt.  Makrophagen sind ein Teil des angeborenen Immunsystems, das ist evolutionstechnisch das älteste Immunsystem, was wir Menschen besitzen (im Gegensatz zu dem “Adaptiven” Immunsystem, was Antikörper generiert und auch darauf reagiert)
  3. Das angeborene Immunsystem hätte eigentlich die Aufgabe gehabt solche Bakterien zu töten. Die Bakterien (oder auch Viren, wie der EBV ) produzieren jedoch  Proteinen, die grosse Ähnlichkeit aufweisen mit  jenem von menschlichen Organismus erzeugten. Ein Beispiel dafür ist   capnine, eine Substanz die an den Vitamin D Rezeptor (VDR) “andockt” (durch Computersimulationen gezeigt) und die Erzeugung von zelleigenen Bakteriziden (körpereigene Antibiotiken) dämpft. Ein anderes Beispiel ist die virale Protein  EBNA-3.  Der VDR ist also in seiner Funktionsfähigkeit gestört. Marshall selbst betrachtet Capnine nur stellvertretend für von Bakterien verursachten Antagonisten des VDR Rezeptors. Es kann durchaus andere Substanzen geben als Capnine. Der VDR ist auch nur einer von vielen Genen, deren Transkription gestört ist, aber vermutlich das folgenreichste.
  4. Das Immunsystem reagiert wiederum auf die Erreger mit einer Immunantwort von Typ TH1, dabei werden TH1 typischen Zytokinen (Zytokinen sind Substanzen die von der Zelle selbst hergestellt werden und für inter-zelullären Kommunikation von Immunzellen verwendet werden, sehr vereinfacht geschrieben) Th1 Zellen sind T-Helferzellen (CD4-Lymphozyten). Das löst eine ganze Kette von Autoimmunreaktionen aus die die Entzündung verursachen.  Deswegen spricht man hier von “TH1 Entzündung/Inflamation” (Englischen TH1 Immflamation)  Eine TH1 Immunreaktion ist typisch für intrazelullären Erreger.
  5. Weiterhin wird vermehrt Interferon Gamma (ein Zytokin) freigesetzt sowie TNF-Alfa und IL2, weitere Zytokinen. Damit wandeln die Makrophagen zusätzlichen 1,25 D (Vitamin D in ihre aktive Form) aus 25D um (Fachbegriff: Enzym 1-alpha-Hydroxylase)  Das ist der Grund, warum bei Autoimmunerkrankungen und bei chronischen Entzündungen die Konzentration von 1,25 D in Blut erhöht wird. Aus 25D wird zusätzlich 1,25 D erzeugt (*). (zusätzlich zu dem 1,25D was in den Nieren produziert wird, also “paracrinal”) Unter Wirkung von Interferon Gamma wird die Konversion von 25D in 1,25D bis zu 30-fach erhöht. Diese Immunantwort wurde bereits “in vitro” bestätigt (Liu et al 2006, siehe Posting, sowie “in Vivo“)
  6. Die von bakteriellen Substanzen blockierten VDR wiederum führt zu weitere Konsequenzen (nicht alle bekannt), u.A. wird der Umkehrprozess zu der 1-Alpha Hydroxylase (Bildung von 1,25D aus 25D) gestört, so dass 1,25D unkontrolliert wächst.

(*) Die Produktion von 1,25D als Folge von Entzündungen ist nicht neu, sie wurde aber bis vor einigen Jahren nicht ganz verstanden, oder  als ein Versuch des Immunsystems sich selbst zu regulieren. Dies ist möglicherweise falsch, die 1,25D Produktion wird angekurbelt, um körpereigene Bakterizide herzustellen, wie Beta-Defensin und Calcethidin. Sie Posting über die Immunreaktion des angeborenen Immunsystems. Bei Brustkrebs hingegen wurde der umgekehrte Prozess beobachtet, 1,25D wird gezielt durch die Hochregulierung von CYP24 vernichtet. Siehe Posting darüber.

Die Blockierung des VDR´s hat unmittelbare Folgen sowohl  für die Konzentrationen von 1,25D sowie 25D in Blutplasma. Ohne VDR Aktivierung kann der Gen CYP24A1 nicht exprimiert werden, was zu erhöhten 1,25D führt (CYP24 wirkt “katabolisch” und sollte das überschüssige 1,25D vernichten).  Hohe 1,25D Werte haben wiederum Konsequenzen auf andere Rezeptoren (1,25D ist eine hochaktive biologische Substanz, die mit einer Vielzahl von anderen Rezeptoren, auch in der Schildrüse interagiert).  Marshall´s Berechnungen “in Silico” ergaben, dass zu hohe 1,25D Konzentrationen negativ auf dem PXR Rezeptor in der Leber auswirken, was wiederum für die Erzeugung von 25D in Blut verantwortlich ist.

Als Folge davon sinkt der Level von 25D (es wird weniger 25D erzeugt) was von nun als der bekannte “Vitamin D Mangel” identifiziert wird. Details können in Marshall´s BioEssays Veröffentlichung gelesen werden. Dazu gibt es auch in diesem Blog ein anderes Posting “Vitamin D Mangel anders erklärt“. Die Vermutung, entzündliche Erkrankungen beeinflussen die 25D Werte in Blut wird von anderen Wissenschaftler ebenfalls diskutiert. Siehe z.B. Alan Gaby und Vitamin D.

Nach Marshall haben Autoimmun-Erkrankungen und viele “idiopathische” Erkrankungen also eine pathogenetische Ursache. Dies ist an sich nicht neu, andere Forscher hatten bereits diese Vermutung geäussert und auch Bakterien im infizierten Gewebe von Autoimmun-Patienten nachgewiesen, siehe z.B. Nilsson et al . Auch andere Forscher ist mittlerweile aufgefallen, dass von Pathogenen exprimierten Proteinen grosse Ähnlichkeit haben mit körpereigene. Die dazugehörigen Genen wiederum werden in Verbindung mit vielen idiopathischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, z.B. Alzheimer oder sogar “psychische” Erkrankungen. Siehe C.J. Carter et al (Schizophrenia sowie Multiple Sklerosis). Nach anderen Forscher führt diese Ähnlichkeit zwischen Pathogenen-Proteinen und körpereigene zu dem “Molecular mimicry” Effekt was letzlich zu der Produktion von Autoantikörper führt (adaptives Immunsystem). Nach Marshall ist dieser Schritt jedoch  nur eine Folge der intrazelullären Infektion.

Wenn Autoimmun Erkrankungen durch intrazellulären Erreger verursacht werden, dann sollten doch ihre Symptome ähnlich sein als jene Krankheiten, die eindeutig durch solche Pathogenen verursacht werden. Schauen wir uns z.B. die Symptome der Borreliose an. Diese Krankheit wird bekanntlich durch Erreger verursacht, die z.T. ebenfalls in der L-Form vorkommen. Die Symptome sind z.T. ähnlich als die von Hashimoto-thyreoiditis, wie Hashi Patienten selbst entdecken “Originalzitat “ Borreliose symptome gleichen hashi symptomen wirklich sehr!!!“.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Erreger genau der Gleiche ist. Ganz im Gegenteil, Marshall postuliert, dass Autoimmunerkrankungen nicht durch einen Erreger sondern durch eine Kombination unterschiedlichen intrazellulären Erreger verursacht werden.  Die Kombinatorik der Erreger bestimmt die Krankheit. z.B. Erreger A +B +C +D = Autoimmunerkrankung X, Kombination B+E+D = Autoimmunerkrankung Y.  Es ist daher kein Zufall, dass co-morbiditäten oft vorkommen, d.h. wer eine Autoimmunerkrankung hat hat eine höhere Wahrscheinlichkeit eine andere zu haben.

TH1 Entzündung – TH1 Immflamation

Da wir mit einer TH1 Immunantwort zu tun haben, spricht Marshall generell von einer “TH1 Entzündung” (TH1-Immflamation). Eine TH2 Immunantwort wäre ein Hinweis auf extrazelulläre Erreger. Mittlerweile hat man auch eine weitere Immunantwort entdeckt, die Th17 (Posting dazu ist in Vorbereitung). T-Zellen werden in Thymus erzeugt (daher das “T” im Namen) und sind zuerst “naiv”, d.h. ohne Differenzierung. Erst der Kontakt mit dem Erreger bestimmt, welche Immunantwort gegeben wird, und zwar in welche Richtung die T-Zellen differenziert werden. Aus “naiven” T-Zellen werden dann TH1/2 oder TH-17 Zellen). Das “Zytokin Profil” zeigt, welche Immunntwort vorliegt (z.b. Interferon Gamma, TNF-Alfa und IL2 für TH1). Siehe dieses Anschauliches Bild zur Vertiefung (Englisch), oder dieses Tutorial

Die Blockierung des Vitamin D Rezeptor VDR als Teil einer Verteidigungsstrategie des intrazelullären Bakteriums

Da durch die Bakterien der Vitamin D Rezeptor VDR teilweise “blockiert” ist (durch Capnine, siehe Posting), laufen im Körper auch andere Prozesse nicht richtig, da bestimmte Enzyme und Proteine für die der VDR verantwortlich ist nicht, bzw teilweise nicht gebildet werden können. Der VDR Rezeptor wird natürlich nicht einfach “abgeschaltet” (das hätte fatale Konsequenzen) sondern im Laufe der Jahren verliert immer mehr an Funktionsfähigkeit, je nach Schwere der Erkrankung. Das ist ein schrittweise Prozess was Jahre dauern kann, daher entwickelt sich die Krankheit auch schleichend. Wir erinnern uns aus dem VDR Posting, dass der menschliche Vitamin D Rezeptor VDR eine zentrale Rolle für die Gesundheit darstellt, da es für die Transkription von mehr als 1000 Genen verantwortlich ist. Es ist im Kern des angeborenen Immunsystems (vermutlich der Kern selbst).

Die durch Bakterien verursachter teilweise Blockierung des VDR hat weitreichende Folgen, die auch nicht vollständig bekannt sind. Ein Prozess funktioniert mit an sicherheitsgrenzender Wahrscheinlichkeit, nämlich die Fähigkeit des angeborenen Immunsystem Pathogenen zu vernichten.  In diesem Blog wird hier salopp von “Blockierung” des VDR gesprochen, richtigerweise sollte es heissen, verminderte Gen-Expression des Vitamin D Rezeptors VDR..  Dieser schädliche Effekt kann nicht nur von Bakterien herrrühren, sondern auch von Viren. Mittlerweile ist dieser Effekt auch experimentell nachgewiesen (Juni 2009)

  • Der Epstein-Blarr Virus z.B. vermindert die Expression des VDRs selbst um nicht weniger als ein Faktor 10(!). Siehe diese Oncologie Studie aus Schweden/Ukraine. Das ist besonders problematisch, weil die angeborene Abwehr damit deutlich geschwächt wird, was wiederum anderen Pathogenen Tür und Tor öffnet. Nicht von ungefähr wird der EBV  mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht. Vermutlich ist aber nicht der Virus alleine, sonder nur ein eifriger Mittätter.
  • Das von EBV Virus transkribierte Protein EBNA-3 blockiert den VDR nach einer Untersuchung von Yamendra et al (2010)
  • lebende Borrelien vermindern die Expression des VDRs um einen Faktor 50. Siehe Salazar et al. Vergleiche die kurze Presentation von Marshall in Singapore (Sept 2009)
  • Eine neueste Studie aus USA zeigte, dass nach einer Genome Transkriptions Analyse von L-Formen von Escherichia coli nicht weniger als 450 Genen (!) in ihre Transkription gestört sind, und zwar hochreguliert (94,9%) und unterreguliert (5,1%).  Unter anderem auch die die für den Eisenstoffwechsel verantwortlich sind
  • Eine Chinesische Studie zeigte, dass das Mycobacterium Tuberculosis änderte die Transkription von nicht weniger als 463 Genen, davon der VDR, dessen Transkription um einen Faktor 3.3 niederreguliert wurde.

Nach diesem Model ist es auch verständlich, warum viele “Autoimmun-Erkrankungen” eine bisher nicht verstandene Abhängigkeit zu Vitamin D haben, wie MS, Lupus, Crohn, Arthritis-Rheumatoides sowie einige Tumorarten wie Darmkrebs. Eine aktuelle Studie aus Oxford fand heraus, dass der VDR in der Trankription von jenen Genen beteiligt ist, die bereits in Verbindung mit vielen der erwähnten Erkrankungen in Verbindung gebracht werden.

Der VDR ist dann nur einer von vielen Genen, deren Funktionsfähigkeit von den Bakterien / Viren gestört wird.  Die Borreliose ist natürlich keine Autoimmunerkrankung, aber sie wird durch Erreger verursacht die ebenfalls in der L-Form vorkommen und intrazellulär agieren, daher ist sie ein gutes Versuchskaninchen. Die Bakterien sitzen also genau in jenen Zellen die für Ihre Vernichtung zuständig wären. Sie werden nicht vernichtet, daher sind keine Antikörper in Blut vorhanden (Marshall beobachtete in Sarkoidose Patienten, dass sie um so weniger Antikörper zeigten je fortgeschrittene die Krankheit war).

Die “Blockierung” des Vitamin D Rezeptors verursacht z.B. eine verminderte Transkription des Toll-Like Rezeptor 2 (Siehe Posting “Die Rolle der Toll-like Rezeptoren in Autoimmun-Erkrankungen), damit “sieht” normalerweise das angeborene Immunsystem Erreger wie  z.B. die Chlamydien.  Also können sie sich ungehindert vermehren, da ihre Entlarvung erschwert wird. Sollten sie jedoch von Immunsystem entdeckt werden, ist wiederum die Produktion der Körpereigenen Antibiotika Cathelcidin für deren Vernichtung vermindert, ebenfalls durch die VDR Blockierung. So bahnt sich die Infektion ihren Weg. Den intrazellulären Erreger hätte eine noch perfidere Verteidungsstrategie nicht einfallen können (Quelle: Marshall Vortrag über Chlamydien Infektionen in Prag, April 2009)

Der so  infizierter Makrophage produziert wie hier bereits beschrieben, wiederum Interferon Gamma, was aber in Blut schwer nachweisbar ist (mittlerweile gibt es Labore die das können). Da Interferon Gamma die Produktion von 1,25D durch 1-alpha Hydroxylase beschleunigt, sind die erhöhten 1,25D Werte ein Hinweis auf die erhöhte Interferon Produktion. Hier sollte man allerdings differenzieren, im Falle von erhöhten PTH Werte als Folge eines sekundären Hyperthyroidismus könnte PTH die 1-alpha Hydroxylase in den Nieren ebenfalls ankurbeln.

Die von Marshall beschriebene Mehrproduktion an 1,25D erfolgt jedoch paracrinal in den makrophagen oder in infizierten Gewebe selbst. In Körper können mehr als 20 unterschiedliche Gewebearten selbst 1,25D aus 25D produzieren. In der Regel sind solche Gewebearten in potentiellen Kontakt mit Pathogenen (Haut, Endometrium, Lunge, etc)

Die durch Baktieren modifizierten Gen-Expression macht es auch verständlich, warum man oft bei Autoimmunerkrankungen von einer “genetischen Veranlagung” ausgegangen ist.  Es sind Genen in Spiel, aber nicht als “Veranlagung”, sondern als gestörte Funktionsfähigkeit aufgrund von Bakterien.  Ganz im Gegenteil, die bisherige Untersuchungen am menschlichen Genom haben wenige Hinweise auf die “Genetische Ursache” von solchen Erkrankungen gefunden.

Die paracrine Produktion von Vitamin D in ihrer 1,25D Form ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf den Angriff von  Pathogenen

Eine neue Studie von Liu et al (2006) beschäftigt sich mit der extra-renale Produktion von 1,25D direkt in den Makrophagen. Der amerikanische Forscher zeigte sehr interessante Aspekten der zusätzliche Produktion von 1,25D, nämlich das dieser Prozess von den TLR (Toll-Like Rezeptoren) gestartet wird unter Einfluss von 1,25D. Gleichzeitig wird Calcethcidin erzeugt (körpereigenes Antibiotikum). Original Liu:

By demonstrating that TLR stimulation of human macrophages induces (i) the enzyme that catalyzes conversion of 25(OH)D3 to active 1,25(OH)2D3; (ii) the expression of the vitamin D receptor (VDR); and, (iii) relevant downstream targets of VDR (including cathelicidin), the present results provide an explanation for the action of vitamin D as a key link between TLR activation and antibacterial responses in innate immunity”

Die TLR Rezeptoren bilden eine Rezeptorfamilie die zur angeborenen Immunsystem gehört und auf bestimmte Erreger spezialisiert sind. Ohne Erreger ist kaum verständlich, warum die TLR Rezeptoren die Immunreaktion starten. Es gibt einige Vermutungen, dass Körpereigene Substanzen dies ebenfalls bewirken, bewiesen ist das jedoch nicht.

In der Literatur wird oft die erhöhte Produktion von 1,25D in den Makrophagen in Kontext von Tuberkulose oder auch in der Sarkoidose erwähnt, es ist jedoch bei anderen Autoimmun-Erkrankungen bekannt (z.B. Morbus Crohn) das sie ebenfalls hohe 1,25D Werte in Blut aufweisen. Das Muster wiederholt sich (wobei es leider noch keine gesicherten statistischen Daten, die eine hohe Anzahl von Autoimmunerkrankungen umfassen). Bisher hat sich die traditionelle Medizin nicht mit der Problematik der hohen 1,25D Werte beschäftigt.

Disregulierten Vitamin D Stoffwechsel als Folge einer chronischen Entzündung

Autoimmun Patienten haben also laut Marshall  einen gestörten Vitamin D Stoffwechsel. Typisches Zeichen ist die erhöhte Konzentration von 1,25D im Blut (was jedoch in den seltensten Fällen gemessen wird, deswegen ist es wahrscheinlich wenigen aufgefallen) sowie eine erniedrigte Konzentration von 25D. Letzteres hat man bereits sehr wohl in vielen medizinschen Studien gemessen und dies wird bereits mit einer Vielzahl von Krankheiten assoziert (von Krebs bis Arteriosklerosis, siehe zum Beispiel diese Studie) Man weiss, dass niedrigere 25D Werte schädlich sind, allerdings wird das fälschlicherweise für einen “Vitamin D” Mangel gehalten, der durch Einnahme von Vitamin D angeblich gelöst wird.

Solange es genügend 1,25D in Blut gibt, kann es laut Marshall Model kein Vitamin D Mangel geben, denn nur 1,25D,  die aktive Form von Vitamin D reguliert das Immunsystem . Darüberhinaus würde hier die weitere Zufuhr von Vitamin D zwar Immunsupprimierend (also ähnlich wie Kortison, von Marshall durch molekulardynamische Simulationen gezeigt) wirken, was u.U. eine gewisse Linderung bringt, langfristig jedoch die Krankheit nur noch schlimmer macht: Je mehr 25D vorhanden ist um so mehr wird 1,25D durch die Makrophagen (sowie durch die Keratozyten Zellen der Haut) erzeugt. Die TH1 Entzündung wird also schlimmer, da man sozusagen “Benzin ins Feuer giesst”.

Dieser Prozess setzt sich jedoch nicht unbegrenzt fort. Wenn Patienten sehr grosse Mengen an Vitamin D zu sich nehmen, wird irgendwann ein Punkt erreicht, wo der umgekehrte Prozess erfolgt. Die 1,25D Werte fangen an zu fallen.

Der Grund dafür ist der gleiche wie der Immunosupprimerenden Effekt von Vitamin D in ihre 25D Form. Ab hohe Konzentrationen fängt sie an den VDR zu deaktivieren und damit wird allmählich die 1-alpha Hydroxylase in den Makrophagen reduziert, also weniger 25D in 1,25D umgewandelt. Das hört sich zwar positiv an, eine Blockierung des VDR´s hat jedoch andere negative Folgen, da genauso andere Prozessen deaktiviert werden.

Vitamin D Mangel oder disregulierten Vitamin D Stoffwechsel?

Bei Patienten mit einem disregulierten Vitamin D Stoffwechsel (etwa als Folge der TH1-Entzündung) passiert was höchst paradoxes.  Zum einen wird ein Vitamin D Mangel festgestellt (niedrige 25D Werte in Blut) daraus schliesst man,  dass möglicherweise “zu wenig” 1,25D produziert werden könnte (obwohl man das Metabolit ja messen kann und offensichtlich ist, dass es nicht “zu wenig” ist)  Dann werden in der Regel grosse Mengen Vitamin D verschrieben, was aufgrund des disregulierten Vitamin D Stoffwechsel zu noch höheren, krankhaften 1,25D Werte in Blut führen. Möglicherweise versucht der Körper selbst den Pegel an 25D niedrig zu erhalten (In dem es selbst weniger 25D in der Leber aus externen Vitamin D produziert) in der vergeblichen Hoffnung indirekt damit weniger 1,25D zu produzieren.  Was wiederum dem Patient oder Arzt zu der Schlussfolgerung führt, Vitamin D “wirke” ja nicht genug, da sich die 25D Werte nicht so ändern wie gewünscht.   Zusätzliches externes Vitamin D führt wiederum dazu, dass noch mehr 1,25D in den entzündeten Gewebe produziert wird und der Teufelkreis setzt sich fort, bis irgendwann soviel 25D vorhanden ist um immunosupprimierend zu wirken (ab etwa 25D Werte 25 ng/ml), ab da werden die 1,25D Werte wieder fallen.

Das erklärt auch warum die Einnahme von Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen anfänglich zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome führt, was aber nach einigen Wochen nachlässt. Erst dann kommt die “lindernden” Effekten von Vitamin D, was nicht anders sind als die Folgen eines supprimierten Immunsystems. Die Patienten fühlen sich “wohl”, weil sie weniger Symptome haben. Die wahren Ursachen sind aber damit längst nicht beseitigt, nur supprimiert.

Vitamin D und Osteoporose in Lichte des Marshall Modells

Übermässiges Vitamin D3 in ihrer 1,25D Form begünstigt die Bildung von Osteoklasten aus den Stammzellen des Knochenmarktes, was das Gleichgewicht von Osteoblasten (Knochenbildner) und Osteoklasten (Knochenresorbtion) zulasten der Osteoblasten verschieben kann. http://de.wikipedia.org/wiki/Osteoklast

Mir ist ein Beispiel aus einem Deutschen Patienten Forum bekannt, wo einer Patientin (Hashimoto) mit “grenzwertig” normalen 1,25D (51 ng/l) die  tägliche Einnahme von 3000 I.E. Vitamin D empfohlen wurde um ihren “Vitamin D Mangel” zu behandeln. Als Folge davon stiegen ihre 1,25 D Werte in Blut auf 101 ng/l also jenseits des von Labor empfohlenen Maximum und damit in ein Bereich, was höchst bedenklich ist.  Die Forumsteilnehmerin wunderte sich selbst, dass “ihre Zähne immer durchsichtiger wurden”. Dieser Effekt ist bekannt, siehe diese Studie aus 1998.

Es ist ein grosser Unterschied ob Menschen mit normalen Vitamin D Stoffwechsel grosse Mengen an Vitamin D aufnehmen als Menschen mit einem disregulierten Vitamin D Stoffwechsel, möglicherweise als Folge der Krankheit selbst. Leider differenziert die öffentliche Meinung hier kaum, so dass grundsätzlich kräftig Vitamin D empfohlen wird, unabhängig davon, wie das Krankheitsbild des Patienten aussieht. Die Folgen können in der Tat bedenklich werden.

Schiesst man also “über das Ziel hinaus”, erhält man möglicherweise das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte, nämlich stabilere Knochen.

Die Immunosupprimierende Wirkung von Vitamin D (25D) nach Marshall

Der “immunosupprimierender” Effekt von 25D kommt aus den Marshallschen Studien. Er hatte durch moleklulardynamische Simulationen gezeigt, dass 25D ab einer Konzentration von 20 ng/ml als Antagonist zum VDR Rezeptor wirkt. D.h. es konkurriert mit dem aktiven Vitamin D 1,25D (Agonist). Ab einem Wert von 20 ng/ml blockiert das angeborene Immunsystem . Siehe zur Vertiefung Originalposting. Diese theoretische Erkenntnis korrelierte mit der Beobachtung bei den Patienten unter der Marshallschen Behandlung, die erwünschte Immunantwort kam erst wenn wenn 25D Werte unter 25 ng/ml waren.

Es gibt übrigens Beobachtungen von russischen Forscher die besagen, das Immunantworten als Folge von Impfungen in Sommer geringer waren als in Winter. Das schreibt  Dr. John Cannell, Direktor des Vitamin D Councils:

Studies …suggest higher Vitamin D levels may prevent a vaccine from causing an immune response, the whole idea of a vaccine.”

Der Immunosuppresive Effekt lässt sich sogar sehr anschaulich erklären. Die 25D und 1,25D Form von Vitamin D sind chemisch sehr ähnlich. In Prinzip, sie sind fast identisch mit Ausnahme einer OH Gruppe (25D hat zwei und 1,25D drei davon (daher der Name Calcidiol und Calcitriol. Um den Vitamin D Rezeptor VDR zu aktivieren ist allerdings die dritte OH Gruppe unerlässlich. Ohne dieses chemisches Element wird der Rezeptor nicht aktiviert. Also kann 25D in hohen Konzentrationen genau so am Rezeptor “andocken” wie 1,25D, jedoch ohne Wirkung. Vielmehr hält das “gute” 1,25D fern von ihm, was immunosupprimierend wirkt.

Vergleich der zwei Vitamin D Metaboliten, 25D und 1,25D. Man beachte, dass nur 1,25D die dritte Hydroxylgruppe (OH) besitz, die unerlässig ist um den Vitamin D Rezeptor VDR zu aktivieren

Vergleich der zwei Vitamin D Metaboliten, 25D und 1,25D. Man beachte, dass nur 1,25D die dritte Hydroxylgruppe (OH) besitzt, die unerlässig ist um den Vitamin D Rezeptor VDR zu aktivieren

Nach dem Marshall Modell wird also bei hohen Vitamin D Einnahme der Rezeptor noch stärker blockiert, damit werden weniger Pathogenen getötet und es kommt zu einer Linderung der Symptome was von den Patienten als “wohltuend” empfunden wird.

Aber warum sollte eine hohe Dosis von 1,25D schädlich sein ? War es nicht so, dass den VDR aktiviert und sich damit positiv auf das angeborene Immunsystem wirkt ? Es ist alles eine Frage der Konzentration. Viel zu hohe Dosis von 1,25D fangen an andere Rezeptoren zu aktivieren (Glucocorticoid GCR , Alpha- und Beta Thyroid Rezeptoren) die sich wiederum negativ auswirken. Siehe z.B. Diese Studie. Darüberhinaus wirkt es Immunosupprimierend, wie diese diese Studie aus Braunschweig, Deutsches Forschungszentrum für Biotechnologie, zeigt.

Es ist im Rahmen des Modells auch verständlich, dass je mehr Makrophagen infiziert sind, um so mehr 1,25D wird man messen (wenn auch eine direkte proportionalität nicht zu erwarten ist).

Es gibt wenige statistischen Daten über die “normalen” Werte von 1,25D im Blut. Eine der Wenigen ist eine Dänische Studie von 1999 (Brot C, Jorgensen NR, Sorensen OH: The influence of smoking on vitamin D status and calcium metabolism. Eur J Clin Nutr Dec 1999, 53(12): 920-6 PMID: 10602348), diese zeigte einen Mittelwert von von 1,25D von 29 pg/ml)

Da 1,25 D auch ein Basishormon für eine Vielzahl von anderen Hormonen (wie z.B. das PTH Hormon, was den Calciumhaushalt reguliert hier ist der VDR ebenfalls massgeblich beteiligt. Bei hohen 1,25D Werte dürften die PTH Parathormon niedrieger sein), sind auch andere Folgeprozesse gestört. Daher kommen übrigens auch die erhöhte Calcium Werte bei Sarkoidose Patienten, was wiederum Osteoporose, Nierensteine und andere Leiden mit sich zieht. Siehe diese Studie

Die Gegenwart von noch mehr Vitamin D in ihrer 25D Form bildet nur noch den Rohstoff für weitere 1,25D Produktion, mehr als der Körper verkraften kann. Es gibt übrigens Enzyme in Körper die die Konzentration von 1,25D im Blut regulieren, die Produktion dieses Enzyms (CYP3A4 sowie CYP27B1) ist jedoch durch die “Blockierung” des VDR Rezeptor durch Bakterien (mittlels Capnine) jedoch gestört. Daher gerät die Produktion von aktivem Vitamin D (1,25D) “ausser Kontrolle”. Der Körper versucht wiederum die hohen 1,25D Werte auszugleichen, indem es immer weniger 25D produziert. Bei gesunden Menschen wird damit auch ein Gleichgewicht erstellt, bei einem kranken Organismus führt dies jedoch zu immer niedrigeren 25D Werte. Das ist was die Ärzte dann (fälschlicherweise) als “Vitamin D” Mangel diagnostizieren. Als Folge davon bekommen die Patienten immer mehr Vitamin D verschrieben um die niedrigen 25D Werte zu vermeiden.

Ab einer Konzentration von 20 ng/ml wirkt jedoch 25D wie schon beschrieben immunosupprimierend, d.h. es konkurrieren jetzt gleich drei Substanzen um den VDR:

a) 1,25D, sozusagen die “richtige” Form von Vitamin D die aktivierend auf den VDR wirkt

b) von Bakterien verursachten Capnine (schädlich)

c) 25D, was zwar eine gewisse Affinität zum VDR hat, kann jedoch es nicht aktivieren

Je mehr externe Vitamin D zugefügt wird, umso mehr ist dann der VDR gerade durch das überschüssige 25D blockiert, was als Folge hat das erst recht keine Bakterien durch das angeborene Immunsystem vernichtet werden.

Eine Blutanalyse in diesem Zustand wird vermutlich auch ein gegen Null gehendes CRP (C-reaktive Protein) zeigen, was Ärzte und Patienten zu der falschen Schlussfolgerung führt, es wären gar keine Bakterien / Entzündungen vorhanden.

Im nächsten Posting über die Marshallsche Behandlungsmethode werden wir daher lesen, dass aus den hier genannten Gründen sehr wichtig ist, jede Form von externen Vitamin D zu vermeiden. Dies gilt jedoch nicht generell, sondern für ein bestimmtes Krankheitsbild, nämlich der hier bereits beschriebenen  ”TH1 Entzündung”, die laut Marshall die tieferliegende Ursache der Autoimmunerkrankungen darstellt.

Wer die Diskussion um Vitamin D verfolgt hat, wird merken das Marshall genau das Gegenteil dessen behauptet was üblicherweise empfohlen wird. Das ist eine von den Gründen, warum das Marshall Modell in bestimmten Kreisen nicht auf Zustimmung stösst, gerade in USA, wo sämtliche Milch mit Vitamin D “angereichert” wird. Hier muss man jedoch differenzieren, Marshall empfiehlt die Vitamin D Abstinenz für Patienten die seine Behandlungsmethode folgen. Gesunde Menschen können auch Vitamin D problemlos vertragen. Hier liegt ein weitverbreitetes Missverständnis des Marshall Protokolls.

Das Neue am Marshall Modell ist die Feststellung, dass niedrige 25D Werte nicht die Ursache einer Krankheit sind, sondern deren Folge.

Also kann man durch zusätzlichen Bluttests von Calicitriol (1,25D) und Calcidiol (25D) einen “Marker”, also eine “Messlatte” für die Schwere der Krankheit gewinnen. Da das Marshall Model in Deutschland so gut wie unbekannt ist, wird das nicht durchgeführt. Schade eigentlich, den ein einfacher Bluttest ist an sich harmlos und könnte nähere Einblicke in die Schwere der TH1- Entzündung erlauben. Vielmehr ist es so, dass bei Ermittlung der 25D/1,25D Werte bei Autoimmun Patienten meistens der niedrige 25D auffällt, was in der Regel als “Vitamin D” Mangel missinterpretiert wird. Die hohen 1,25D Werte regen zwar ein gewisses Interesse (weil sie in der Regel ausserhalb des Maximums liegen) werden aber nicht mit einer bestimmten Erkankung in Verbindung gebracht (Ausnahme: sekundären Hyperthyroidismus)

Anderseits ist dies auch verständlich, denn die hier genannten Informationen wurden erst in den letzen 8 Jahren gewonnen, sie sind also in praktisch keinem Lehrbuch zu finden.

Je höher der 1,25 D Wert ist, umso mehr Schaden richtet die Krankheit an. Das Merck Manual gibt einen Maximum Wert von 45 pg/ml für die 1,25D Konzentration in Blut, was nach Ansicht von Marshall auch völlig korrekt ist.

Deutsche Labore geben hingegen ein Maximum für die Konzentration von 1,25 D in Blut von bis zu 80 pg/ml, also ein Bereich was nach dem Marshallschen Model höchst pathologisch ist (interessanterweise ist das “Maximum” für den 1,25D Wert von Labor zu Labor verschieden, einige geben 45 pg/ml, andere 60 und andere bis 80 pg/ml). Zur Vertiefung über die Benutzung von den der Konzentration von 1,25D / 25D in Serum als “marker” für die Kranheit, siehe den Vortrag von Greg Blaney im 6th International Congress on Autoimmunity, Porto, Portugal, Sept 10-14, 2008

Der gestörte Vitamin D Stoffwechsel von Autoimmunpatienten hat noch weitere Folgen. Sie entwickeln nach Meinung von Marshall auch Symtome der Hypervitaminosis D bei viel niedrigeren Dosis von Vitamin D als bei gesunden Menschen. Das erklärt auch die Lichtempfindlichkeit mancher Patienten. Siehe auch Symptome der Hypervitaminosis (auf Englisch) in der Marshalprotocol Website

Dies lässt sich einfach mit der vermehrten Produktion von 1,25D in den Makrophagen erklären. Bei einem gesunden Menschen, der nur 1,25D in den Nieren produziert, braucht man Unmengen an Vitamin D um eine Hypervitaminosis D zu erzeugen. Ein kranker Organismus hingegen produziert schon alleine aufgrund der Krankheit viel mehr 1,25D. Also je mehr 25D vorhanden ist, um so mehr 1,25 D wird in den Makrophagen (und auch in der Haut) erzeugt, was wiederum die Krankheit verschlimmert.

Die erhöhte Produktion von 1,25D in den Makrophagen war übrigens bereits von anderen Forschern bemerkt worden, siehe zum Beispiel diese Studie. Trotzdem gehen die wenigsten Ärzte darauf ein. Wahrscheinlich, weil die Forschnung von 1,25 D recht neu ist, nachdem man sich (fälschlicherweise) jahrzentenlang auf die Messung von 25D fokussiert hat.

Siehe z.B. diesen Beitrag von Dr. med. habil. Volker Nehls, Zitat: “Aktivierte Makrophagen bei der Sarkoidose exprimieren das Enzym 1-alpha-Hydroxylase, das die Vorstufe 25-OH-Vitamin D3 zu der eigentlich aktiven Wirkform 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3 (Calcitriol) umwandelt. Hierdurch kommt es bei einigen Sarkoidose-Patienten zu einer Hyperkalzämie, Hyperkalziurie und Nephrokalzinose. Die erhöhte Calcitriol-Synthese durch Sarkoidose-Makrophagen wird als Versuch des Organismus aufgefasst, die T-Zell-Aktivität bei Entzündungen einzudämmen” . Mittlerweile ist es klar, warum Calcitriol produziert wird, nämlich um die Produktion von körpereigenen Bakteriziden (LL-37, Beta Defensin) anzukurbeln. Siehe Posting “Die Rolle der Toll-like Rezeptoren in Autoimmun-Erkrankungen

Marshall kommt hier zu anderen Schlussfolgerungen, nämlich das die zusätzliche 1,25D Produktion krankhaft ist, und zwar weil sie ausser Kontrolle gerät. Warum sie ausser Kontrolle gerät wird im Posting “Vitamin D Mangel etwas anders erklärt”   Bei einem gesunden Mensch wird zwar kurzfristig 1,25D von Makrophagen erzeugt als Teil des körpereigenes Abwehrmechanismus (siehe detailliertes Posting dazu). Bei Autoimmun Patienten hingegen wird ununterbrochen 1,25D im infizierten Gewebe erzeugt.

Erstaunlicherweise hat die Wissenschaft bisher sich nur marginal mit diesem Thema beschäftigt. z.B. wurden die 1,25D anormalen Blutwerte von anderen Autoimmun-Krankheiten wie Hashimoto noch nie untersucht.

Ein anderer Vitamin D Forscher, John White, kam ebenfalls zu dem Schluss, überschüssiges 1,25D stammt aus dem Macrophagen, allerdings seiner Meinung nach von der Natur so gewollt, da das negative Feedback Mechanismus (über das CYP24 Enyzm was 1,25D inaktiviert) bei den Macrophagen nicht voll funktionsfähig ist aus noch unbekannten Gründen. Siehe seine  Studie über angeborerne Immunität und Vitamin D. Allerdings betrachtet White nur die Sarkoidose als Beispiel und keine andere AI´s.

Vertiefung: die Original Marshall Protocol Study Site

Infiziertes Monozyt. Die schwarze Pfeile zeigen die Infektion des Monozyts mit L-Form Bakterien. Aus Wirostko et al, 1989 Columbia University TEM. Folie aus Transkript von Marhsall in der Metagenomics 2007

Infiziertes Monozyt. Die schwarze Pfeile zeigen die Infektion des Monozyts mit L-Form Bakterien. Aus Wirostko et al, 1989 Columbia University TEM. Folie aus Transkript von Marhsall in der Metagenomics 2007

Die “AutoAntikörper” im Lichte des Marshall Models

Die genaue Ursache von den sogenannten “AutoAntikörper” (ANA´s) stellt die Wissenschaft immer noch vor offenen Fragen.  Warum stellt der Körper plötzlich Antikörper gegen ihn selbst ?    Dazu muss man wieder berücksichtigen, dass wir mit zwei untereinander kooperierenden Immunsystemen zu tun haben: das angeborene sowie das adaptive. Nur das adaptive Immunsystem reagiert auf Antikörper, das angeborene erkennt körperfremde Substanzen mit Hilfe der Toll-Like Rezeptoren (siehe Posting dazu ) Antikörper sind die Domäne des adaptiven immunsystem.  Nach dem Marshall-Model entstehen Autoimmunerkrankungen zunächst als eine Reaktion es angeborenen Immunsystems:

1) Das angeborene Immunsystem greift die intrazelullären Erreger an und vernichtet (durch Phagozytose) sie zusammen mit den von ihnen befallenen Körperzellen  Dabei entstehen Zytokinen sowie DNA Brückstücken, sowohl von Bakterien als auch von körpereigenen Material.

2) Die entstandenen Zytokinen (z.B. Interferon-gamma) aktivieren nun die Antwort des adaptiven Immunsystem, was nun aus den gefundenen Bruchstücken Antikörper erzeugt (siehe Artikel “Uralte Bakterienkiller mit doppelter Mission“). Da die Brückstücke auch körpereigenen material enthalten, werden sie nun als Fremd erkannt. Das adaptive Immunsystem sieht die Zelle als Fremd an, da sie infiziert war.

3) Das adaptive immunsystem generiert nun Antikörper gegen die gefundenen Substanzen, u.a. Körpereigen.

Siehe zur Vertiefung das Video zu diesem Thema, vorgestellt in den International Congress of Antibodies in Beijing, 2009.

In der genannten Presentation wurden Beispiele gezeigt, wie bei Patienten unter der Marshall-Behandlung die Anzahl der “Autoantikörper” zunächst gestiegen ist, als Folge des aktivierten angeborenen Immunsystem, um später wieder auf sehr niedrige Werte zu fallen, was auch von den Patienten als eine Genesungsphase identifiziert wurde.

Die Anzahl der gefundenen Antikörper ist jedoch nicht eindeutig. Bei Sarkoidose erkrankten z.B. wurde in den schlimmsten Monaten der Krankheit die geringste Anzahl von Antikörper gemessen.  So gesehen scheinen sie   entweder sehr fortgeschrittene Stadien zu reflektieren, wo das Immunsystem sehr schwach reagiert und kaum Antikörper produziert, oder sehr gute, wo die Anzahl der Antikörper zurückgeht mit einer Abnahme Pathogenenanzahl aufgrund einer verstärken Abwehr.

Wie aber schon erwähnt, der Hauptakteur im Marshall-Modell ist das angeborene Immunsystem, das adaptive ist nur ein Nebenkriegsschauplatz.

Es ist für mich ohne Zweifel, dass Marshall hier ein denkwürdiges Modell der Autoimmunerkrankungen aufgestellt hat, was eine Vielzahl von Beobachtungen sehr gut erklärt. Darüberhinaus basiert das Modell lauf einem solidesn Molekular Modell des Vitamin D Stoffwechsel. Einige Aspekte waren schon bekannt, andere hingegen sind völlig neu.

Das Modell lässt sich jedoch nicht so einfach prüfen, denn die L-Form Bakterien lassen sich kaum “in Vitro” isolieren und züchten. Daher lässt sich das Modell nicht direkt nachweisen, sondern nur indirekt durch Übereinstimmung seinen Vorhersagen mit experimentellen Ergebnissen.

Das Modell wird in fachspezifischen Tagungen über Autoimmun Erkrankungen regelmässig vorgestellt. Aufzeichnungen von diesen Vorträgen lassen sich auch im Web finden. Auf Deutsch gibt es kaum Literatur über das Marshallsche Modell. Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich diese Seite ins Leben gerufen habe. Eine von den wenigen Informationen auf Deutsch ist von Wolfang Maes (siehe letztes Posting in Borreliose Forum, steht als PDF Beilage) verfügbar. Es gibt Hinweise, dass varianten Erreger der Borreliose Borrelia burgdorferi ebenfalls intrazellulär wirkt und zwar in der L-Form. Siehe diese Studie . Vergleiche diese Anmerkungen über die “L-Form” des Borreliosen Erregers .

Diese Erkenntnisse finden nur extrem langsam Akzeptanz in den zuständigen medizinischen Kreise (siehe Posting “Die Kontroverse um Marshall“), Das ist leider in der Medizin nicht neu, auch der Nobelpreisträger von 2005, Barry Marshall hatte extrem gegen Skeptiker gekämpft. Als vor Jahren behauptet wurde, Magengeschwüre hätten eine bakterielle Ursache, stiess er auf ähnliche Skeptiker. Heute ist erwiesen, dass Helicobacteri Pylori der Erreger war. Der genannte Erreger kommt ebenfalls in seiner L-Form vor.

Es gibt in der Tat viele Parallelen zwischen den beiden Marshalls (Barry und Trevor Marshall). Beide zeigten, dass Bakterien eine viel grössere Rolle in der Entwicklung von Krankheiten spielen, beide wurden anfänglich nicht ernst genommen. Barry Marshall musste sogar selbst Bakterien schlucken um seine Theorie zu beweisen. Aber er bekam schliesslich den Nobelpreis.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Marshall Modell für Autoimmun Erkrankungen sich extrem langsam durchsetzt, wenn überhaupt. Schade eigentlich.

Bild eines infizierten Monozytes (Bildmitte), aus dem Video von Trevor Marshall in der Gene 2008

Bild eines infizierten Monozytes (Bildmitte), aus dem Video von Trevor Marshall in der Gene 2008

Von Gedankenexperiment zu Gen Modellen: die Entdeckung des Capnines

Im Posting über den VDR Rezeptor (Vitamin D Rezeptor) hatte ich folgendes Gedankenexperiment vorgestellt. Angenommen es gäbe eine körperfremde Substanz, die ebenfalls durch ihre chemischen und geometrischen Eigenschaften genau an den menschlichen VDR Rezeptor “andocken” kann und seine Wirkung zum Schaden des Organismuns sabotieren könnte, und zwar als Teil der Verteidigungsstrategie des Bakteriums.

Das Gedankenexperiment sowie etwas Spekulation ergab, dass es durchaus denkbar wäre, dass ein Bakterium evolutionstechnisch solche Fähigkeiten durch Mutation und Selektion hätte entwickeln können.

Jetzt gehen wir an die Sache etwas genauer vor. Man kennt einige Bakteriengenome, d.h. die exakte genetische Folge eines Bakteriums.  Also man weiss, welche Gene ein Bakterium genau aufweist. Damit ist im Prinzip auch bekannt, welche Biochemischen Substanzen theoretisch dieser Eindringling durchden Transkription “erstellen” kann.

Es wäre durchaus denkbar mit der Information aus dem Genom (oder genau gesagt, aus einem Abschnitt davon) ein Computer zu füttern, und  dieses Molekül im Rechner nachzubilden. Dasselbe kann man mit einem Computermodell des menschlichen VDR Rezeptor machen. Dann lässt man beide Biomolekülen aufeinander los und sieht ob sich ein “andocken” simulieren lässt.

Trevor Marshall war genau auf der Suche nach so einer Substanz.  Er  fand eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus Irland. Dort war es Forschern gelungen aus einer inifzierten menchlichen Hüfte ein Bakterium zu isolieren und genetisch zu identifizierenaus.

Marshall befasste sich mit diesem Bakterium etwas genauer und fand heraus, dass diese Bakterien eine Biochemische Substanz namens capnine herstellen.

Mit Hilfe von Molekulardynamische Simulationssoftware gelang es Marshall zu zeigen, dass capnine die Eigenschaft hatte ,die wir in unserem “Gedankenexperiment” beschrieben haben. Nämlich an den menschlichen Vitamin D Rezeptor (VDR) anzudocken und die Bildung von Bakteriziden zu vermeiden. Das körpereigene Bakterizid heisst LL-37, die Wirkung ist sehr schön hier erklärt)

Wenn die Bildung von Bakteriziden innerhalb der Zelle gestört ist, dann kann nicht nur dieses Bakterium überleben, sondern können auch andere  Bakterienarten innerhalb der Zelle ihr Unwesen treiben.

Vertiefung im Originalposting (in Englischer Sprache) von Trevor Marshall, wo auch ein Video zeigt, wie genau capnine an den VDR andockt. Veröffentlicht in Marshall TG: Bacterial Capnine Blocks Transcription of Human Antimicrobial Peptides. Metagenomics 2007. doi 10.1038/npre.2007.164.1

Im Transkript des Marshalls Vortrags in der Metagenomics 2007 ist einer sehr guter Zusammenfassung.

Computersimulation von Menschliches VDR mit Capnine Molekül

Computersimulation von menschlichen Vitamin D Rezeptor VDR mit Capnine Molekül

Auf der Spur der leisen Killer: die L-Form Bakterien

“…It seems likely: we have been living with these beings, their genome trapped within ours, for untold time.” David Wheldon, Britischer Forscher

Innerhalb der Bakterien gibt es eine kleine, recht unbekannte Gruppe um die es hier geht: die L-Form Bakterien. Es ist in Grunde genommen nicht eine Bakterienart, sondern eine Form die Bakterien annehmen können. Man kennt über 50 Bakterienarten die in die L-Form übergehen können. Sie sind die kleinste bekannte Lebewesen, die es überhaupt gibt. Man hatte sie auch “grosse Viren” genannt.   Eine Vielzahl von Bakterien kann die L-Form annehmen und wieder zurück zu ihre ursprüngliche Form zurückgehen. Einige Forscher vermuten, dass die L-Form eine ursprüngliche Bakterienform war, aus denen später Bakterien, Parasiten und anderen Pathogenen hervorgingen.  Wann genau die L-Form in die “normale”  Form mit Zellwand übergeht ist nicht ganz verstanden. Umgekehrt können normale Bakterien nach Penicillin behandlung in die L-Form übergehen.

Bakterien, die in der L-Form sich befinden sind praktisch unsichtbar und unfilterbar, den sie sind so klein, dass sie durch jeden Filter gehen.  Es ist extrem schwer, sie ausserhalb eines lebenden Organismus zu züchten, das ist eine von den Gründen, warum ihre Forschung so schwer ist.  Im Körper können sie jahrzehntelang existieren ohne nennenswerte Symptome hervorzurufen. Sie teilen sich auch sehr langsam, daher dauert es viele Jahre, bis eine Krankheit ausbricht.  Die “Krankheit” ist meistens die (fehlgeleitete) Reaktion des Immunsystem selbst, die dann als “Autoimmun-Erkrankung” gilt.  Forscher können dann Auto-antikörper zwar messen,  jedoch nicht ganz verstehen, was zu deren Entstehung eigentlich geführt hat.  L-Form Bakterien/Mycoplasmen könnten des Rätsels Lösung darstellen. Daher konzentriert sich zur Zeit die Medizin eher darum, die Reaktionen des Immunsystems in Schach zu halten, statt die Ursache des Übels zu beseitigen, nämlich Bakerien in L-Form/Mycoplasmen.
Die Entdeckung der L-Form Bakterien  war der Verdienst der Deutschen Forscherin Emmy Klieneberger-Nobel, die in den vierziger Jahren im Lister Institute in England arbeitete und auf diesen Gebiet forschte. Die “L-” in Name kommt gerade aus der Anfangsbuchstabe des Lister Instituts.

Sie bemerkte, dass bestimmte Bakterien, wie z.B. Streptobacillus monliforme keine Zellwände hatten. Ein anderer Forscher von der Harvard Medical School, Louis Dienes bemerkte, dass nach Behandlung mit Penicilin, Bakterien in die L-Form wandern können. In dieser Form konnten die Bakterien jedoch nicht mit dem Antibiotika behandelt werden, denn dieses Antibiotikum funktioniert indem die Zellwände der Bakterien zerstört werden. Hat die Bakterie jedoch keine Zellwand, wirkte das Antibiotikum nicht. In Englischen sind sie auch bekannt unter dem Begriff CWD (Cell Wand Deficient) Bakterien.

Seit den 30er Jahren befasste sich  der US-Arzt Thomas McPherson Brown intensiv mit der  mit Arthritis Rheumatoides und identifizierte L-Form Bakterien ( sie wurden auch Mycoplasmen genannt) als Ursache für diese Krankheit. Es war ohne Zweifel sein Verdienst, der erster Arzt der bakterielle L-Formen in Verbindung mit unheilbare Erkrankungen brachte.  Er forschte über 40 Jahren auf diesem Gebiet und hinterliess  rund 100 Veröffentlichungen. Es gibt ein interessantes   Video in Web über sein Werk. Zwar fokussierten sich McPherson Brown´s Arbeiten auf die Arthritis Rheumatoides, er erkannte bereits, dass sie auch die Ursache von anderen Erkrankungen sein könnte, wie z.B. die Multiple-Sklerose.

McPherson Brown entwickelte auch eine Behandlungsmethode, die auf Antibiosen mit pulsierte niedrigdosierte Tetrazykline (ähnlich wie das Marshall-Protokoll ein Jahrzehnt später).   Der US-Forscher veröffentlichte seine Erkenntnisse  in seinem Buch “The Roadback”,  das Buch ist noch im Handel und zwar enthalten im “New Arhtritis Breakthrough”, von Henry Scammel.

Eine andere Forscherin, Victoria Livingston, forschte ebenfalls auf diesem Gebiet.  Sie fand ebenfalls L-Form Bakterien insbesonders in Tumoren von Patienten, womit der Verdacht aufkam, auch Krebs könnte (direkt oder indirekt) eine Folge von L-Form Bakterien sein..

Später entwickelte ein weiterer Forscher, Alan Cantwell, eine spezielle Technik mit deren Hilfe L-Form Bakterien sichtbar machen konnte (er arbeitete mit Victoria Livingston) . Er fand sie sowohl in Tumoren, in Lymphknoten von HIV Patienten sowie in Granulomen von Sarkoidose Patienen. Gleiches auch in Geweben von Menschen, die an der Hodgkin-Krankheit litten. Er veröffentlichte “The Cancer Microbe”. Damit befindet sich in bester Gesellschaft von den Deutschen Arzt Dr. Alfons Weber, der ebenfalls eine bakterielle Ursache von Krebs feststellte und sogar filmte. Ob die Weberschen Protozoen nun L-Form Bakterien sind, kann ich nicht beantworten.

Eine andere Forscherin der Wayne University, Prof Lida Mattman, untersuchte ebenfalls Bakterien in der L-Form. Sie schrieb das Buch “Stealth Pathogens” und wurde für ihre Arbeiten für den Nobelpreis nominiert. Man kann einige Seiten in Google Books lesen. Dieses Buch ist eine hervorragende Wissensquelle für Menschen, die mehr über diese exotische Bakterienform lernen wollen. Mittlerweile  ist auch ein YouTube Video verfügbar über einen Vortrag von Ihr aus dem Jahr 2005.

Erwähnenswert ist ebenfalls die Arbeit von Nadya Markova, die eine interessante Website zum Thema L-Form Bakterien betreibt.

Die Forschung von dieser Bakterienform scheint irgendwie nicht auf besonders grosses Interesse in medizinischen Kreisen gestossen zu sein, zumindest wurden die Arbeiten der genannten Forscher nicht sonderlich beachtet.

Schliesslich übernahm ein Molekularbiologe, Trevor Marshall, der mit Hilfe von Computersimulationen sehr interessante Arbeiten auf dem Gebiet der Autoimmunkrankheiten durchgeführt hatte das Thema auf und stellte ein Model dieser Krankheiten auf, die genau auf den L-Form Bakterien basiert.

Eine der Schwierigkeiten der Forschung mit L-Form Bakterien ist die Tatsache, dass man sie nicht isolieren und ausserhalb des menschlichen Körpers züchten kann. Ausserdem sind sie extrem klein, so dass man sie nicht mit dem Mikroskop beobachten kann (Grösse von 0.01 Mikrometer, oder 10 Nanometer).

Bekannte Bakterien, die die L-Form annehmen können (u.A) sind der Helicobacteris Pylori , die Borrelia Burgdorfi sowie Listerien.

Die Fähigkeit von Bakterien, mehrere Formen annehmen zu können nennt man “Pleomorphismus”. In folgenden Video kann man sehr schön erkennen, welche unterschiedliche Formen Borrelien annehmen können, Spirochäten, Biofilms, Zystische Formen sowie L-Form (Ringform in Video nach Behandlung mit Antibiotika )

Das eigentliche Video fängt ab minute 4:32 an. In Minute 5:33 gibt es sehr schöne Bilder über Biofilms und in Minute 6:09 zeigen die Aufnahme sehr anschaulich, wie das Bakterium die Form ändert sobald es von Antibiotika angegriffen wird. Es ist bekannt, dass beta-lactam Antibiotika (wie z.B. Penicillin) zu einer L-Form Bildung führen. Ob die “Ringform” die in Film gezeigt ist eine L-Form ist, geht hier allerdings aus dem Video nicht hervor. Ich gehe stark davon aus.

Im Video werden zunächst die sogenannten “Kochschen Postulate” vorgestellt und auch in Frage gestellt. Eine Position, die ebenfalls von den Marschallschen Studien untersützt wird. Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Postulate nicht allgemein gültig sind, sondern dass viele Krankheiten von einer Kombination von Bakterien (und nicht nur von einer einzigen Bakteriensorte) verursacht werden. Darüberhinaus lässt sich nicht jeder Bakterienform ausserhalb des Wirtes erfolgreich züchten, wie das Beispiel mit den L-Form zeigen.

Mittlerweile scheint die L-Form Forschung langsam auf die Beine zu kommen, in April 2010 ist ein Artikel von US-Wissenschaftler erschienen, die mit modernsten Genome-Sequenzierungstechnologie sie L-Formen der Escherichia Coli untersuchten. Man bemerke, dass die erwähnte Form eines “Spiegelei” bereits in den Video von McPherson Brown ebenfalls vorkommt.

Einen sehr guten Überblick (auf dem dieses Posting basiert) gibt der Englischsprachige Artikel von Ami Proal “A History of Cell Wand Deficient Bacteria”. Einen guten, kurzen geschichtlichen Überblick wird von der Seite “Chronic Illness Recovery” angeboten (Englisch).

Siehe auch das Posting von Marshal über L-Form Bakterien.

Wie hängen nun die L-Form Bakterien mit Autoimmun Erkrankungen zusammen ? Das wird ausführlich in diesem Posting vorgestellt.

Ein neuer Artikel (in Englischer Sprache) ist Reforming L Forms: They Need Part of a Wall After All from Kevin D. Young*

Department of Microbiology and Immunology, University of North Dakota School of Medicine, Grand Forks, North Dakota 58202

Auch dieser Artikel (Englisch) populärwissenschaftlich geschrieben, bietet auch eine interessante Lektüre im Bereich der L-Form Bakterien, diesmal aus der Sicht eines Tiermediziners. L-form Bacteria and Mollicutes- The Good, the “Bad” and the Ugly-

Artikel auf Deutsch: “in der Not können Bakterien auf alte Tricks zurückgreifen

Cell Wand deficient forms of Mycobacteria: a Review: sehr guter Artikel!

Bacterial Persistence and Expression of Disease

Update 27.7.2009: die ETH Zürich veröffentlich einen interessanten Artikel über die L-Form  von Listerien

Zitat:

“L-Form Listerien überlisten zudem das Immunsystem. Makrophagen, also Fresszellen, nehmen die Kügelchen zwar auf, können sie aber nicht vernichten. Normale Listerien sind nach 30 Minuten getötet. Die L-Form überlebt tagelang in einem Makrophagen. «Wenn die Makrophagen die L-Formen nicht als Pathogen erkennen können, dann ist das für das Immunsystem möglicherweise ein Problem», erklärt der ETH-Professor”

in der Tat können sie zu einem Problem werden, wie man in diesem Blog lesen kann.

Hier ebenfalls ein weiterer Artikel über Biofilms